Manchmal ist etwas zu spüren. Man kann es noch nicht greifen, noch nicht sehen, und doch ist es da. Übertragen auf die Unicorns ist damit gemeint: Die Zuversicht ist groß, dass der fünfmalige Deutscher Meister in dieser Saison besser abschneiden wird als im Jahr 2025, in dem es lediglich für den vierten Platz in der GFL Süd reichte. Das Aus im Playoff-Viertelfinale beim späteren Meister Potsdam Royals war keine Überraschung mehr.
Eine ganz große Überraschung war dieses Abschneiden nicht. Head Coach Felix Brenner wollte zwar das Maximale herausholen, sprach aber ganz bewusst von einer Saison, in der es um Entwicklung geht. Und wir haben uns auch kontinuierlich entwickelt“, meint er in der Rückschau. Aber klar sei auch, dass es noch nicht gereicht habe.
In dieser neuen Saison 2026 soll die Entwicklung weitergehen. Und das mit einem Kader, bei dem sehr viele in der Saison 2025 Erfahrung sammeln konnten. „Wir müssen also nicht bei null anfangen“, so der Trainer. „Wir sind deutlich positiver gestimmt.“
verschiedene Das hat Gründe: Zum einen haben die Unicorns vier US-Imports, die extrem athletisch sind und deren Statistiken hervorragend sind. Cornerback Monteze Latimore ist schon lange bei den Unicorns. Neu sind Wide Receiver Rayjuon Pringle, Runningback Kelley Joiner und Safety Jordan Toles. „Wir dürfen uns sehr glücklich schätzen, sie zu haben“, so Felix Brenner.

Deutscher Quarterback
Auf der Quarterbackposition setzen die Unicorns wieder auf einen Deutschen: Lars Heidrich kommt vom insolventen ELF-Champion Stuttgart Surge. „Wir haben nie aufgehört, über einen deutschen Quarterback nachzudenken“, berichtet Felix Brenner. „Wir haben Lars bei Surge beobachtet.“ Dort trainierte er unter und mit den beiden ehemaligen Unicorns Jordan Neuman, der jetzt bei den Vienna Vikings ist, und Reilly Hennessey.
In der Vorbereitung spielte auch Julius Klenk auf der Quarterback-Position. Er sei ein Ausnahmetalent, so Felix Brenner, denn Eigengewächs Julius Klenk war zwar in der Jugend Quarterback, aber ist beim GFL-Team als Receiver eingeplant „und spielt dabei auch eine wichtige Rolle“, unterstreicht der Head Coach. Dass Julius Klenk auch ohne spezielles Quarterback-Training in den Tests gegen Calgary und Düsseldorf überzeugt hat, freut Felix Brenner. Schmunzelnd fügt er hinzu: „,Für ihn ist die Quarterback-Position offensichtlich so etwas wie Radfahren. Wenn man das einmal kann, verlernt man es nicht.“
Größere Veränderungen gibt es bei den Trainern, denn die Unicorns haben jetzt zwei hauptamtliche Coaches. Zum einen kam der US-Amerikaner Gabriel Landa als Assistant Head Coach. Er ist auch für die Wide Receiver verantwortlich und zudem Head of Academy am Evangelischen Schulzentrum in Michelbach. Zum anderen ist jemand zurück, der seit 2014 das Unicorns-Trikot trug und einer der Publikumslieblinge sowie Kapitän des Teams war. Cody Pastorino kehrt nach drei Jahren bei Stuttgart Surge zurück, übernimmt das Amt des Defensive Coordinators. Der bisherige DC Maik Freckmann rückt freiwillig auf den Posten des Outside-Linebackers-Coach. „Cody ist einer der besten DCs in Europa. Wir alle werden von seiner Expertise profitieren.“ Das sei auch im Trainermeeting zu spüren. „Wenn wir da zusammensitzen, ist es hochproduktiv und effektiv. Es greift ineinander.“ Mit Alessandro Vergani ist ein weiterer ehemaliger Unicorns-Spieler nach seinem Abstecher nach Stuttgart wieder in Hall. Er hat seine aktive Karriere nach dem ELF-Titelgewinn beendet und ist nun Coach der Offensive-Line.
Kader war dünn besetzt
Von Surge kommen auch drei Spieler mit den Defensive Backs Julian Jakob und Julian Mayorga sowie Linebacker Lukas Levin. Externe Kräfte werden gebraucht, denn auf manchen Positionen waren die Unicorns dünn besetzt beziehungsweise hatten in der abgelaufenen Saison enormes Verletzungspech.
Alles zusammen stimmt den Head Coach „zuversichtlich, aber nicht euphorisch“. Denn trotz aller positiver Vorzeichen „müssen wir erstmal abliefern“.
Das Ziel in dieser Saison ist klar umrissen: Die Unicorns wollen in den GFL Bowl einziehen. „Hätten wir dieses Ziel nicht, dann wären wir fehl am Platz“, unterstreicht Felix Brenner. In der vergangenen Saison verpassten die Unicorns auch ein Playoff-Heimspiel. Das soll ihnen 2026 nicht mehr passieren.
Allerdings weiß man bei den Unicorns um die hohen Hürden, die man bewältigen muss. Die GFL sei eine Liga, die sehr competitive“ ist. Das bedeutet, sie ist sehr konkurrenz- und auch leistungsfähig. Die Ergebnisse der vergangenen Runde sprechen Bände: Viele Begegnungen endeten mit wenigen Punkten Unterschied.
Das wird sehr wahrscheinlich in der neuen Saison nicht anders sein. Die Teams haben nicht nur Verstärkung aus der Insolvenzmasse der ELF erhalten, sondern wirken auch insgesamt häufig besser aufgestellt als noch in der Vorsaison.
Neugier der Fans
Das haben auch die Testspiele der Unicorns gezeigt. Die Partie gegen die Calgary Gators (14:28) war etwas Besonderes, doch auch gegen die Düsseldorf Panther (27:30) kamen rund 1400 Zuschauerinnen und Zuschauer in den Optima-Sportpark. Für ein Vorbereitungsspiel war das eine gute Kulisse. Das zeigt, dass auch unter den Fans die Neugier groß ist auf das Unicorns-Team 2026.
Die Partien haben aber auch gezeigt, dass die Unicorns zum damaligen Zeitpunkt noch etwas Arbeit vor sich hatten. Gute Szenen wechselten sich mit deutlich weniger guten ab. Fast vier Wochen hatten die Unicorns Zeit, an der Feinabstimmung zu feilen, damit der Saisonauftakt bei den Munich Cowboys erfolgreich sein.
Insgesamt sei die Vorbereitung zufriedenstellend verlaufen, so Felix Brenner. Lediglich beim Trainingslager in Albstadt hatten die Unicorns Pech. Nach der Ankunft schneite es heftig. „Wir haben das Schneetraining dennoch komplett durchgezogen. Ich glaube, wir haben trotz der Bedingungen gute Lösungen gefunden.“
Gute Lösungen brauchen die Unicorns nun auch im Spielbetrieb der GFL-Saison 2026. Die Chancen stehen gut, dass sie diese finden werden.
Von Hartmut Ruffer
Spiele sind auch auf DF1 zu sehen
GFL: Lineares Fernsehen, Livestreams: Es gibt Neuerungen bei der Übertragung.
Das Selbstbewusstsein ist bei den Verantwortlichen des GFLLigaverbunds sichtlich gestiegen. Bei der Pressekonferenz im Vorfeld des Saisonstarts ist das durchaus zu spüren.
So berichtet Axel Streich, Vorsitzender des GFL-Ligaverbunds, dass es „so viel Bewegung wie schon lange nicht mehr auf dem Spielermarkt“ gegeben habe. Das mag damit zu tun haben, dass die GFL eine verlässliche Konstante ist. Nach der Insolvenz der European League of Football (ELF) sind daraus die EFA und die AFLE entstanden, die sich nun gegenseitig Konkurrenz machen. Zudem war lange unklar, ob es in den beiden neuen Ligen einen Spielbetrieb geben wird.
Da wirkte die GFL wesentlich verlässlicher, zumal das Selbstvertrauen auch aus dem GFL-Bowl 2025 resultiert. Zum letztjährigen Finale zwischen Potsdam und Dresden kamen mehr als 20.000 Zuschauer ins Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Auch in diesem Jahr wird Dresden wieder der Austragungsort des Finales sein. Axel Streich schloss nicht aus, dass die sächsische Landeshauptstadt zudem 2027 Schauplatz des GFL Bowls sein kann. Es sei noch nichts entschieden, aber es gebe diesbezüglich Gespräche.
Elf Konferenzen auf DF1
Fast 90 Prozent der GFL-Spiele dieser Saison werden samstags um 16 Uhr beginnen. Dazu kommen noch einige wenige Eventspiele sowie neun Sonntagsspiele. Elfmal ist die Samstagskonferenz live und kostenfrei im linearen Fernsehen auf DF1 zu sehen. Die weiteren Konferenzen sowie die Einzelspiele gibt es auf sporteurope.tv.
Dort kostet ein Pay-per-View 6 Euro, der 5-Monatspass kostet 82,50 Euro. Wer ausschließlich ein Team sehen möchte, für den ist der Teampass für 50 Euro das Richtige. Dieser beinhaltet aber nur die Spiele der regulären Saison. Der All-Access-Pass inklusive Playoffs kostet 80 Euro. ruf