Die Fasnet in Bechtoldsweiler wurde bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vorwiegend privat gefeiert. Als „Maschkeraa“ zog man seit etwa 1930 verkleidet von Haus zu Haus, sammelte Eier oder Fasnetsküchle und traf sich spontan zu geselligen Runden.
In den 1950er-Jahren entstanden im Wirtshaus Haldenhof die ersten Hausbälle mit Barbetrieb, Kinderball und Tanz. Später feierten die Bürger im „Rössle“ und im „Grünen Baum“ Saalfasnet – begleitet von Plattenspieler, Hausmusik und selbst gedichteten Lumpenliedern. Eine Tradition aus dieser Zeit besteht bis heute fort: Beim Kinderball erhält jedes einheimische Kind eine Rote und ein Getränk.
In den 1960-er und 1970er-Jahren bauten engagierte Bürger eigene Wägen für den Fasnetsdienstagsumzug in Hechingen. In dieser Zeit entstand auch die Bechtoldsweilemer Narrenfahne mit den Rufen „Narri-Narro“ und „Distri-Distro“. Klassische Narrenzünfte gab es im Ort jedoch nicht; gefeiert wurde überwiegend in privaten Gruppen.
Später belebte der Sportverein die Fasnet erneut, in dem er im Schulsaal des Rathauses Veranstaltungen abhielt – oft unter beengten Bedingungen, aber mit sehr großer Begeisterung. Am „Auseliga“ zogen – wie heute noch – die jüngeren Frauen als „Alte“ verkleidet nach Hechingen. Am Lumpenmontag fand und findet weiterhin der Kinderball statt, inklusive der traditionellen Geschenke.
Mit dem Bau des Bürgerhauses entstanden neue Möglichkeiten für größere Veranstaltungen. 1996 folgte schließlich die Gründung der Narrenzunft „Bechtoldsweilemer Ehrenwald Dister“, deren Häs sich an den Stofftraditionen der 1960er- und 1970er-Jahre orientiert. Bereits im ersten Jahr zählte die Zunft 25 Maskenträger und richtete ihren ersten Zunftball aus. Heute ist die Narrenzunft ein fester und prägender Bestandteil der Hechinger Fasnet. Der Narrenruf lautet: 3 mal „Ehrenwald Dister“.
Die Narrenfigur „Dister“ entstand durch die folgende Sage: Vor langer Zeit, als ein junger Bursch von Schönheit und Frohnatur durch die dunklen Wälder von Bechtoldsweiler in die Nachbarorte zog, um Botengänge zu erledigen, stand ihm auf dem Heimweg ein furchterregendes Waldweib gegenüber. Ihre funkelnden Augen verzauberten den Jungen in einen tiefen Schlaf. Als boshafter, verbitterter, von einem Fluch besessenen „Dischter“ erwachte er zu neuem Leben. Bis heute noch soll er in den Monaten Januar bis März im Ort und Umgebung sein Unwesen treiben.
Neben dem Dister als Hauptfigurgibt es als Einzelfiguren das Waldweib und dr' Jong. Heute zählt die Narrenzunft 125 Mitglieder, Zunftmeister ist Bernhard Locher.
Das Festprogramm
Am Samstag, 31. Januar, steigt von 20 Uhr an der Zunftball im Bürgerhaus. Es gibt Brauchtumsvorführungen, Showtanzeinlagen und Musik mit Fasnetskapellen.
Der Sonntag, 1. Februar, startet um 9 Uhr mit der Heiligen Messe anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Narrenzunft. Für 10.30 Uhr ist ein Zunftmeisterempfang im Bürgerhaus für geladene Gäste angesetzt. Von 13.30 Uhr an windet sich der Umzug mit 2000 Mitwirkenden durch den Flegga. Anschließend herrscht buntes Narrentreiben im Flegga. An beiden Tagen gibt es großen Barbetrieb.
Im Übrigen gibt es am Sonntag zwischen 11 und 14 Uhr sowie zwischen 16 und 18 Uhr einen kostenlosen Buspendelverkehr zwischen den Parkplätzen und Bechtoldsweiler. Es kann im Industriegebiet „Lotzenäcker“ in Hechingen, bei Albus, Fleisch und Wurst, und bei Kaufland auf deren Firmenparkplätzen sowie in Bodelshausen im Industriegebiet „Erlenbrunnen“ auf dem Firmenparkplatz von Joma-Polytec geparkt werden.
Zunftmeister Bernhard Locher freut sich auf die Flegga-Fasnet und meint: „Fasnet isch die schönste Zeit em Johr“.