Wenn der Termin der Konfirmation näher rückt, schreiben die Konfis unserer Gruppe in Untermünkheim zu verschiedenen Fragen rund um das Konfi-Jahr ihre eigenen Gedanken auf, die wir so gut es geht – in die Konfirmations-Gottesdienst auswendig vorgetragenen Texte – aufnehmen. In diesem Jahr haben mich die Antworten zu einer Zukunftsfrage, die wir im Konfi vorher nicht besprochen hatten, besonders bewegt. Die Frage hieß: „Stell Dir die Welt in 20 Jahren vor (2046), wird sie besser oder schlechter sein als heute?“

Die Antworten dazu waren mehrheitlich eher negativ: „Ich finde, es wird schlechter, weil es viele Kriege geben könnte“ (mehrfach genannt), „es gibt (in der Zukunft) mehr Müll, der Klimawandel ist fortgeschritten“ (mehrfach genannt), „die KI und Roboter werden alles übernehmen“ (einmal genannt) und „weniger Menschen werden an Gott glauben, ihr Handy ist ihnen schon heute wichtiger“ (wurde so ähnlich mehrfach genannt).
Aber es gibt auch Lichtblicke (jeweils einmal genannt): „Der Klimaschutz wird eine größere Rolle spielen“, „viele Menschen setzen sich (schon jetzt) für die Umwelt ein, das finde ich toll“, „durch Entwicklungen und Wissenschaften wird mehr erforscht sein – und manches wird einfacher“ und „ich hoffe, dass es s vielleicht zu Krankheiten (neue) Heilmittel gibt“.
Noch bevor ich diesen Artikel schrieb, hatten wir uns zum Elternabend getroffen. Und wir waren uns ziemlich einig: Beim Blick in die Zukunft hätten uns in der Elterngeneration vermutlich ganz ähnliche Themen bewegt wie unsere Konfis. Auch wir (älteren) Erwachsenen schauen ja eher mit Sorge als mit Optimismus in die Zukunft. Hoffnung machen einzelne Entwicklungen (zum Beispiel in der Medizin), aber das Gesamtbild ist eher düster.
Ich frage mich: Ist das jetzt ein gutes Zeichen, wenn Konfi-Eltern und Konfis sich (jedenfalls bei dieser Frage) ziemlich einig sind? Zeigt es eine tiefe Verbindung über die Generationen hinweg? Oder zeigt es, dass Hoffnung und positive Zukunftserwartungen inzwischen in unserer Gesellschaft kaum noch zu finden sind? War es nicht immer ein Vorrecht der Jugend, Gutes von der Zukunft zu erwarten?
Ich denke: Die Konfi-Zeit ist einerseits eine Zeit der teilweisen Distanzierung von den Eltern und zugleich ein erster Schritt ins Erwachsenwerden, der Höhepunkt der Pubertät, eine Zeit der Unsicherheit, der Selbstfindung und der Identitätsbildung. Sogar die Strukturen im Gehirn der Jugendlichen bilden sich in dieser Zeit um.
Und gleichzeitig leben Eltern und ihre heranwachsenden Jugendlichen in der einen, gleichen Welt und brauchen einander auch als Gesprächspartner und Gegenüber. „Krieg, Klimawandel und Umweltzerstörung“ sind so allgegenwärtig, dass sie für unsere Jugendlichen eine fast allgegenwärtige neue Normalität bilden. Da überrascht es nicht, dass viele Kinderärzte eine deutliche Zunahme von Depressionen bei Jugendlichen erleben.
Und es ist ein großer Schatz, wenn Heranwachsende in ihren Eltern, Lehrerinnen, Lehrern und Konfi-Mitarbeitern Menschen finden, die ihre Ängste und Gedanken ernst nehmen und mit ihnen ehrlich und vertrauensvoll Wege in die Zukunft suchen.
Aber es ist auch gut, dass diese „große“ Realität das eine ist, die „alltägliche“ Realität aber anders sein kann. Damit meine ich die Fragen, Wünsche und Verhaltensweisen, die für Jugendliche mitten in der Pubertät so typisch sind und uns „Alte“ manchmal nerven, manchmal unverständlich sind und manchmal den Wunsch wecken, selbst noch einmal so spontan und trotz allem unbeschwert zu sein.
Als die Konfis mit dem Schreiben ihrer Texte langsam zum Ende kamen, wünschten sich einige „ein bisschen Musik dazu“ – und was dann lief, inspirierte sie zu einem Tanz, den sie jetzt zu den Auswendiglern-Texten aufführen wollen. Ist das nicht wunderbar, wenn wir uns gegenseitig zum Lachen bringen?
Eine Konfirmandin schrieb zum Thema Zukunft, dass das Vertrauen auf Gott ihr Hoffnung gibt. Und sie folgert daraus: „Ich glaube an Gott, also hoffe ich.“ Das ist die Realität, die der Glaube uns öffnet: mitten in den Höhen und Tiefen des Lebens eine Kraft zu kennen, die uns aufrichtet, stärkt und mutig macht. Wenn diese Realität uns über alle Altersgrenzen hinweg verbindet, dann ist im Konfi so etwas wie „Himmel auf Erden“. Wie schön, dass es das immer wieder gibt.
Und so wünsche ich allen Konfis und ihren Familien, die in den nächsten Wochen und Monaten Konfirmation feiern, ein gutes Miteinander, Vertrauen auf Gott und den Segen, mit dem Jesus uns in die Zukunft begleitet.