Die Zeiten der tristen Schreibstuben sind vorbei. Unternehmen haben erkannt, dass ein positives Arbeitsumfeld die Motivation und die Effektivität der Mitarbeiter steigern kann.
Nicht zuletzt der zunehmende Mangel an Fachkräften führte in den vergangenen Jahren dazu, dass sich Büros zu attraktiven Worklocations etabliert haben. Offene Begegnungszonen und gemütliche Lounges laden zum Austausch ein, lassen Kontakte knüpfen und bieten Raum für kreative Entfaltung.
Das Zauberwort der Zukunft lautet „biophiles Design“. Es umfasst eine Vielzahl von Konzepten, die der Designer und Architekt in sein Bauprojekt einfließen lässt und beschreibt die Einbindung von Licht, Farben oder Pflanzen. Bodentiefe Fenster, Schiebetüren oder Balkone ermöglichen niederschwellige Übergänge zwischen dem Innen- und Außenbereich. Zufallsmuster in Fassaden, Grundrissen oder Tapeten lassen eine positive Atmosphäre entstehen und natürliche Materialien wie Holz, Lehm oder Wolle schaffen ein entspanntes Arbeitsumfeld.
Befürworter des biophilen Designs verweisen auf Studien, in denen Menschen, die sich in der Nähe der Natur aufhalten, produktiver und konzentrierter arbeiten. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass sich Menschen in der Umgebung von Pflanzen schneller von Krankheiten und Verletzungen erholen und besser Stress abbauen.
Biophiler Rundbau für fünf Milliarden
Als beeindruckendes Beispiel zählt der „Apple Park“ im kalifornischen Silicon Valley. Kein geringerer als der Stararchitekt Norman Foster wurde für die Planung des vermutlich fünf Milliarden Dollar teuren Projekts verpflichtet. Eine optische Besonderheit ist die ringförmige Gestaltung des spektakulären Bürogebäudes. Das runde Objekt mit durchgehender Glasfassade umfasst knapp einen halben Kilometer und überdacht eine Fläche von 260 000 Quadratmetern, unter dem etwa 12 000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die Grünfläche inmitten des gigantischen Bauwerks ist fast doppelt so groß wie der Wiener Stadtpark. Das gesamte Gebäude wurde so konzipiert, dass sich Menschen scheinbar zufällig begegnen. Auch die zentrale Kantine soll Treffpunkt aller Mitarbeiter sein, um sich spontan in Gesprächen auszutauschen.
Ein weiteres Beispiel für ein Bürogebäude mit biophilem Design in Deutschland ist das „The Ship“ unweit der Kölner Innenstadt. Das futuristische Bürogebäude, mit einer Gesamtfläche von rund 13 800 Quadratmetern, wurde von dem Architekten Professor Christoph Ingenhoven entworfen und verfügt über zahlreiche naturnahe Elemente. Dazu gehören begrünte Fassaden, Innenhöfe mit Pflanzen und Bäumen sowie großzügige Glasflächen, die den Blick auf die umliegende Natur freigeben.
Auch hier sollen die biophilen Designelemente dazu beitragen, dass sich die Mitarbeiter in einer naturnahen Umgebung wohlfühlen und dadurch ihre Produktivität steigern können. Neben einer Kindertagesstätte und einem Dachgarten dürfen die Mitarbeiter auch das hauseigene Fitnesstudio nutzen. Das Gebäude orientiert sich komplett an den Bedürfnissen der Mitarbeiter, soll zum persönlichen Wohlbefinden beitragen und die Leistungsfähigkeit fördern. Meetingräume, Creative Labs, Think Tanks oder Phone Capsules bieten für jede Arbeitssituation das geeignete Umfeld.
Das gesündeste Hochhaus Deutschlands
In Berlin ragt der „Edge East Side Tower“ 142 Meter in die Höhe und soll eines der „gesündesten Hochhäuser Deutschlands“ sein. Wie die Macher des 2023 fertiggestellten Objektes behaupten. Die innovative und offene Architektur, entworfen von der Firma Bjarke Ingels Group (BIG), verbindet zeitgenössische urbane Anforderungen und natürliche Elemente, um luftige Räume zu schaffen, die Energie geben und Besucher und Fußgänger zum Betreten einladen. „Edge East Side“ ist Teil einer neuen Welle intelligenter, gesunder Gebäude, die sich der Idee verschrieben haben, dass Büros nicht nur eine Funktion erfüllen, sondern auch Teil der sie umgebenden Gemeinschaften sein sollen.
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