Sonderveröffentlichung

Sanitär - Heizung - Klima „Das Projektgeschäft bietet Chancen.“

Nico Litfin hat zum Jahreswechsel die Herrlinger KG, den Eislinger Fachgroßhändler für Haustechnik, von Michael Herrlinger übernommen. Ein Gespräch über die Branche.

Nico Liftin zu seiner Entscheidung, die Herrlinger KG in Eislingen zu übernehmen: „Kopf, Herz und Bauch haben gleichzeitig Ja gesagt.“ Foto: Constantin Fetzer

03.03.2026

Herr Litfin, wie war Ihr erster Eindruck vom Haus und von der Gegend?

Eigentlich beschreibt ein Satz das ganz gut: Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen. Das war mein erster Geistesblitz, als ich noch etwa zehn Minuten mit dem Auto entfernt war. Als ich dann vor dem Haus stand, haben Kopf, Herz und Bauch gleichzeitig Ja gesagt. Rückblickend, nach fünf Wochen, kann ich sagen: gute Entscheidung.

Hat sich das beim zweiten Blick, vor allem im Haus und im Team, bestätigt?

Ja, beim zweiten Blick habe ich vor allem die Mitarbeiterversammlung erlebt und die große Anzahl der Mitarbeiter. Ich war bereits in allen Abteilungen und Niederlassungen, hatte viele Berührungspunkte mit den meisten Mitarbeitern. Nächste Woche treffe ich mich noch mit den Auszubildenden, werde zwei Tage im Lager verbringen, mit einem Kraftfahrer mitfahren und selbst kommissionieren, um die Prozesse kennenzulernen. Außerdem bin ich jeweils mehrere Tage in den Außenhäusern. Mir ist wichtig, engen Kontakt aufzubauen. Der Mitarbeiter ist am Ende derjenige, der im Tagesgeschäft den Chef macht. Ich bin strategisch verantwortlich für das Unternehmen, aber ich habe ja nicht viele Aktien im Tagesgeschäft. Deshalb muss man hinhören: Wo sind Probleme, wo Befindlichkeiten? Das kann man nur im persönlichen Kontakt herausfinden.

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Sie sind seit vielen Jahren in der Branche. Wie sieht Ihr Werdegang aus?

Nach der 10. Klasse war ich etwas orientierungslos und machte dann zunächst Abitur. Danach wusste ich immer noch nicht so recht, was ich machen wollte. Auf sanften Druck meiner Mutter habe ich dann drei Bewerbungen geschrieben und wäre überall genommen worden. Bei Thyssen-Krupp-Schulte war kurzfristig eine Ausbildungsstelle frei - nach dem Vorstellungsgespräch erhielt ich noch am selben Tag die Zusage und startete in der Haustechnik. Das Unternehmen wurde von der Wiedemann-Gruppe übernommen und ich wechselte in eine Niederlassung südöstlich von Berlin, wo ich schnell Verantwortung übernehmen konnte und die Niederlassung anderthalb Jahre leitete. 

Anschließend wechselte ich auf die Ausführungsseite zu einem Installationsbetrieb. Dort arbeitete ich zweieinhalb Jahre, unter anderem auf einer Baustelle in London Ich plante und installierte Heizungsanlagen von der Konzeption bis zur Fertigmontage und erhielt Einblicke in Buchhaltung, Kalkulation und Endkundenberatung - also das komplette operative Geschäft. Parallel absolvierte ich ein BWL-Studium, das ich mit Diplom abschloss. Danach zog es mich bewusst zurück in ein größeres Unternehmen mit mehr Verantwortung. Nach weiteren Stationen war ich dann zuletzt bei der GC-Gruppe bis Ende 2025 Niederlassungsleiter in der Region Brandenburg.

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"Der Großhandel muss sich auf den Handwerker einstellen."
Nico Litfin
PhG der Herrlinger KG, Eislingen

Wie kam der Kontakt zur Herrlinger KG zustande?

In der GC-Welt gibt es ein Weiterbildungsprogramm, dort werden Führungskräfte über zwei Jahre auf die Rolle als PhG eines Hauses vorbereitet. 2023 wurde ich dann angemeldet. Man schwimmt dann, wie GC-Geschäftsführer Thomas Werner sagt, im Goldfischteich - und irgendwann kommt dann ein Anruf und die Gelegenheit, ein Haus zu übernehmen. Im Oktober kam dieser Anruf und ich lernte kurz danach Herrn Herrlinger kennen. Dann ging alles recht schnell - kurz vor Weihnachten war die Unterschrift unter dem Vertrag.

Welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und den Innungen für Sie?

Die Zusammenarbeit mit dem Handwerk und den Innungen ist für mich strategisch wertvoll und wichtig. Der Großhandel muss sich auf den Handwerker einstellen und seine Prozesse daran ausrichten. Man muss zuhören, Kritik annehmen und Prozesse so gestalten, dass sie den Kunden gerecht werden. In Potsdam haben wir uns „der sympathische Großhandel“ genannt. Das bedeutet, aus den Kundenprozessen heraus zu denken. Die Kundenzufriedenheit ist hier schon sehr hoch, das ist gut. Aber wir müssen weiter an Logistik, Verfügbarkeit, Preisstellung und Digitalisierung arbeiten.

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Welche Rolle spielt die Digitalisierung und was können Sie hier für die Handwerksbetriebe tun?

Wir haben mit dem GC OnlineShop ein sehr starkes Tool – aus meiner Sicht einer der besten Online-Shops in Deutschland –, was Verfügbarkeit, Artikelmenge und Datenbereitstellung betrifft. Themen wie digitaler Vertrieb, elektronische Rechnungen oder automatisierte Rechnungsprüfung sind große Effizienztreiber Das spart Personalaufwand.

Herausforderungen Welche sehen Sie derzeit am Markt?

Die vergangenen Jahre waren geprägt von Verfügbarkeitsproblemen, Preisschwankungen und enormer Nachfrage - man denke an den Neu- und Umbau von vielen Heizungsanlagen und Wärmepumpen. Wer in dieser Zeit kein gutes Geschäft gemacht hat, hat etwas falsch gemacht. Aber viel Nachfrage wurde vorgezogen - das fehlt uns jetzt. Und es fehlt der politische Anreiz, zu investieren. Projekte werden zurückgehalten. Was hier in der Region dazukommt: Die Automobilbranche als wichtiger Wirtschaftsfaktor steht unter Druck, ebenso die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Energiepreise.

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Wo sehen Sie Chancen und Wachstumsmöglichkeiten?

Wir haben innerhalb der GC-Gruppe eigene Produktlinien mit einem hohen Anspruch an Design und Funktion entwickelt. Sie bieten einen attraktiven und konkreten Mehrwert für den Handwerker, weil das ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist. Außerdem sehe ich Potenzial im Projektgeschäft. Also bei größeren Bauvorhaben mit 20, 30 oder mehr Wohneinheiten, öffentlichen Gebäuden wie Kitas oder Schulen. In der Vergangenheit war der Fokus hier nicht so stark ausgeprägt. Ich möchte diesen Bereich stärker bespielen und gemeinsam mit Industrie und den Handwerksbetrieben mehr Projekte gewinnen. Herr Herrlinger hat das Haus auf die Zukunft sehr gut vorbereitet und im vergangenen Jahr zum Beispiel den Lageranbau abgeschlossen. Das Möglichkeiten, Sortiment und bietet Verfügbarkeit auszubauen. Insgesamt sehe ich ein gutes Netzwerk und eine gute Ausgangsbasis, um weiter zu wachsen.

“Die Zusammenarbeit mit den Handwerkern ist wertvoll und wichtig."

Wir sind kurz vor der Landtagswahl. Was wünschen Sie sich von der Politik?

Ich wünsche mir Impulse für die Industrie, bessere Wettbewerbsfähigkeit, Förderung des sozialen Wohnungsbaus und bezahlbare Energie. Wenn die Motoren wieder hochschalten, profitieren Handwerk, Handel und Industrie gleichermaßen. Constantin Fetzer

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Die Herrlinger KG in Eislingen hat im vergangenen Jahr ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert, beschäftigt rund 100 Mitarbeitende sowie 18 Auszubildende und gehört zur GC-Gruppe. Neben dem Haupthaus in Eislingen gibt es Niederlassungen in Essingen (Ostalbkreis) und Metzingen (Landkreis Reutlingen) – jeweils mit den Elements-Ausstellungen. „ABEX“-Standorte, an denen Handwerksbetriebe ihre bestellte Ware abholen können, gibt es zudem noch in Geislingen, Heidenheim, Kirchheim und Schwäbisch Gmünd.

Die GC-Gruppe ist ein führender Großhändler für Haustechnik in Deutschland. Gegründet 1921, umfasst sie heute über 100 mittelständische Fachgroßhandlungen an rund 900 Standorten. Das Sortiment reicht von Sanitär, Heizung, Klima/Lüftung bis Elektroinstallation. Mit mehr als 20.000 Mitarbeitenden beliefert sie täglich Tausende Fachhandwerksbetriebe und erzielt einen Jahresumsatz von mehreren Milliarden Euro. Neben Logistik bietet sie Planung, Beratung und digitale Services.