Während der vergangenen 15 Jahre hat sich das Bezahlverhalten in Deutschland grundlegend verändert. Bargeld ist nach wie vor die am häufigsten genutzte Bezahlform: Denn etwas mehr als die Hälfte aller Beträge wandern in Geldscheinen oder Münzen über den Ladentisch. Gemessen am Umsatz liegt der Anteil jedoch nur bei 26 Prozent, wie eine Studie der Deutschen Bundesbank zeigt.
Besonders das zunehmende Einkaufsverhalten über Onlineshops wird voraussichtlich den Trend zum bargeldlosen Bezahlen weiter befeuern. Laut Erwartungen des Handelsverbandes haben im vergangenen Jahr etwa 65 Millionen Menschen online eingekauft. Das entspricht rund 90 Prozent der Internetnutzer und mehr als drei Vierteln der Gesamtbevölkerung. Prinzipiell ist das Angebot im Internet kaum begrenzt. Selbst Autos, Immobilien oder Baumaschinen werden mittlerweile online gehandelt.
Ein idealer Nährboden also, besonders für Zahlungsdienstleister. Sie ermöglichen es, im Internet Geld zu überweisen. Die marktbeherrschenden U.S.-Unternehmen wie Elon Musks PayPal, Jeff Amazon Pay oder Bezos Google Pay stehen hinter den milliardenschweren Geschäften. Der Bezahldienst bucht das Geld direkt vom Kunden ab und leitet es an den Händler weiter. Viele Dienstleister bieten zudem einen Käuferschutz an. Kommt es bei der Lieferung der Ware zu Problemen, kann das Geld einfach zurücküberwiesen werden. Viele Datenschützer und Verbraucher befürchten jedoch, dass ihre Zahlungsdaten und persönlichen Informationen von US-Behörden eingesehen oder nicht ausreichend geschützt werden könnten oder die Daten für Marketingzwecke, zur Profilbildung und teilweise auch für die Weitergabe an Dritte genutzt werden.
16 europäische Banken sind bisher beteiligt
Wero ist ein neuer, sicherer Echtzeit-Bezahldienst der European Payments Initiative (EPI), der als europäische Alternative zu PayPal, Apple Pay oder Google Pay Zahlungen per Handy möglich macht. Die Initiative wurde von 16 europäischen Banken und Dienstleistern, darunter führenden Geldinstituten wie der Deutschen Bank, der Sparkassen-Finanzgruppe oder der VR-Bank für den Handel, gegründet.
Ziel ist es, eine leistungs- und zukunftsfähige Bezahllösung speziell für Europa zu entwickeln. EPI nutzt und erweitert die bestehende Infrastruktur für Instant-Account-to-Account-Zahlungen innerhalb Europas, um die Effizienz der Zahlungsprozesse zu erhöhen und potenzielle Hürden zu beseitigen.
Verbraucherzentrale zeigt sich aufgeschlossen
So sollen Verbraucher und kommerzielle Nutzer künftig sämtliche handelsbezogenen Transaktionen mittels eines Wallets vornehmen können. EPI engagiert sich vornehmlich im Bereich Person-to-Person (P2P) sowie Personto-Professional (P2Pro‑)Zahlungen, künftig aber auch bei Online- und Mobile-Shopping- sowie Point-of-Sale-Bezahlvorgängen in Verbindung mit attraktivem Value Added Services wie Treueprogrammen und Direktfinanzierungen.
Die Verbraucherzentrale zeigt sich in einer Stellungnahme aufgeschlossen: „Das europäische Bezahlsystem Wero könnte ein erster Schritt zu einem eigenständigen europäischen Zahlungsverkehrsmarkt sein und eine Alternative zu den US-amerikanischen Zahlungsdiensten werden. Voraussetzung dafür ist, dass Wero zügig umfassende Zahlungsfunktionen zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbietet. Wir begrüßen den Start von Wero und werden dessen Entwicklung aufmerksam verfolgen.“
Rund ein Dutzend deutscher Banken machen bereits mit. Darunter die Sparkassen, Deutsche Bank oder Volksbanken. Dabei gelten die strengen EU-Datenschutzregeln. Im Gegensatz zu US-Diensten verlassen die Daten den europäischen nicht. Zunächst ist Wero länderübergreifend in Deutschland, Frankreich und Belgien am Start.
Geld senden war bisher ein Stiefkind
Weitere EU-Länder sollen folgen. Das Unternehmen hat sich schließlich hohe Ziele gesteckt, wie auf der Wero-Homepage zu lesen ist: „Wir wollen nicht weniger als die beliebteste Bezahlplattform Europas werden, indem wir Verbraucher in den Mittelpunkt stellen und auf Vertrauen, Sicherheit und Anpassungsfähigkeit setzen.“ Geld senden und empfangen sei lange das Stiefkind in der Entwicklung der digitalen Lösungen bei den Banken gewesen, heißt es dort weiter.