Sonderveröffentlichung

Start ins Berufsleben - Die besten Tipps! IHK Region Stuttgart-Heilbronn-Franken: Wo sind die Bewerber?

Auch im aktuellen Ausbildungsjahr blieben viele Stellen unbesetzt. Ein Grund: Jugendlichen fehlt die Möglichkeit zur Berufsorientierung in der Pandemie.

In den technischen Berufen gehen die Ausbildungszahlen derzeit zurück. Der kaufmännische Bereich hingegen kann in der Region Heilbronn-Franken kräftig zulegen. Foto: Pressmaster/shutterstock.com

27.09.2021

Das Angebot ist da – doch es fehlen die Interessenten. So lautet das Fazit der zuständigen Berufskammern zum Ausbildungsjahr 2021. Wie auch in den vergangenen Jahren blieben viele Lehrstellen in Baden-Württemberg unbesetzt. Marjoke Breuning, Vizepräsidentin des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) und Präsidentin der IHK Region Stuttgart, der beim BWIHK für Ausbildungsfragen zuständigen Kammer, macht für dieses Phänomen auch die Corona-Krise und die daraus resultierenden Folgen für Jugendliche verantwortlich:

„Die Pandemie hat dazu geführt, dass sich viele junge Menschen verunsichert fühlen, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Das liegt auch daran, dass sich in den letzten eineinhalb Jahren durch Corona die Berufsorientierung schwieriger gestaltete. Den Unternehmen im Südwesten fehlen dadurch Bewerberinnen und Bewerber.“ Die IHK Baden-Württemberg zählte Anfang September 32 355 neu eingetragene Ausbildungsverträge. Das sind 5,5 Prozent weniger als Ende August letzten Jahres.

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Positiver Trend in der Region

In der Region zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Die IHK Heilbronn-Franken ist eine der wenigen Kammern in Baden-Württemberg die Zuwächse bei den Ausbildungszahlen verzeichnen kann: Anfang September stand ein Plus von 145 neuen Verträgen im Vergleich zum Jahr 2020 zu Buche. In der Region stechen laut Gerald Fichtner, Leiter Berufsbildung und Mitglied der Geschäftsleitung der IHK, der Stadtkreis Heilbronn sowie die Landkreise Heilbronn und Schwäbisch Hall hervor. Dort seien die Zahlen besonders gut. „Die duale Ausbildung spielt dort schon immer eine besonders große Rolle. Ich gehe davon aus, dass die Unternehmen verstanden haben, dass ein Fachkräftemangel droht. Sie brauchen die beruflich Qualifizierten“, sagt Fichtner.

In der Region Heilbronn-Franken unterscheiden sich indes die einzelnen Fachbereiche deutlich: Im kaufmännischen Bereich gibt es zum aktuell beginnenden Ausbildungsjahr erheblich mehr neu eingetragene Stellen als vor zwölf Monaten. Das Plus beträgt nahezu 13 Prozent. Im technischen Bereich ist allerdings ein Minus von fast vier Prozent zu verzeichnen. Auch im Landkreis Hall zeichnet sich dieser Trend ab.

Während die Industrie im Allgemeinen zu kämpfen hat, gibt es erfreulichere Nachrichten aus dem Handwerk: Zum Stichtag am 31. August dieses Jahres starteten 16 336 junge Menschen ihre Ausbildung im baden-württembergischen Handwerk. Das sind 169 Ausbildungsplätze mehr als 2020 Gleichzeitig sind noch 3550 Ausbildungsstellen unbesetzt. Auch die Handwerkskammer Heilbronn-Franken verzeichnete ein leichtes Plus. 1393 Ausbildungsverträge wurden neu eingetragen – 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. „Trotz zahlreicher Herausforderungen ist das Handwerk nach wie vor ein krisenfester Wirtschaftsbereich“, betont auch Kerstin Lüchtenborg, Leiterin der Abteilung Berufsbildung bei der HWK. „Unsere Handwerksbetriebe bieten jungen Menschen gerade in diesen unsicheren Zeiten beste Perspektiven für die berufliche Laufbahn“, findet sie. Sowohl die HWK als auch die IHK rufen Jugendliche, die aktuell noch keine Lehrstelle haben, dazu auf, sich noch zu bewerben. Ein späterer Einstieg in das Ausbildungsjahr sei durchaus möglich.


„Unsere Unternehmen brauchen die beruflich Qualifizierten.“

Gerald Fichtner Leiter Berufsbildung IHK


Die heimischen Unternehmen werben jedoch nicht nur um Auszubildende: Auch duale Studenten sind gesucht. Mittlerweile haben Interessierte in Baden-Württemberg die Wahl aus mehr als 20 Studiengängen mit rund 100 Studienrichtungen in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen. Praxiserfahrung sammeln die Studierenden in den Betrieben, das theoretische Wissen wird an einer von zwölf dualen Hochschulen in Baden-Württemberg gelehrt – beispielsweise in Heilbronn oder Mosbach. Und auch hier gilt: Die Ausbildung hat Zukunft. „Mehr als 85 Prozent der Studierenden der DHBW werden nach dem Studium von ihrem Dualen Partner übernommen oder unterschreiben bereits vor Ende des Studiums einen Arbeitsvertrag“, schreibt die DHBW auf ihrer Website. Eileen Scheiner