Von Melanie Boujenoui

Der Bestand an Feldvögeln bricht seit Jahren massiv ein. Bereits mehrere Millionen Brutpaare seien aus Feld und Flur verschwunden, rechnet der Naturschutzbund (NABU) vor, insbesondere weil Bodenbrüter wie Feldlerche, Rebhuhn oder Kiebitz auf Äckern immer schwerer Nahrung und Nistplätze fänden. Kaum Brachland, wenig blütenreiche Säume, verarmte Fruchtfolgen, Überdüngung, Pestizide, schwere Maschinen – die Problemliste ist lang.

An einem Strang

Was jedoch entstehen kann, wenn Naturschutz und Landwirtschaft an einem Strang ziehen, zeige das Schutzprojekt für Feldvögel in der Gemeinde Wallhausen in vorbildhafter Weise, wie die Stiftung Naturschutz auf ihrer Internetseite schreibt: In der warmen Jahreszeit zwitschert, flattert, schwirrt und blüht es entlang der Feldwege, die das Vogelschutzgebiet „Hohenloher Ebene östlich von Wallhausen“ – so der offizielle Name der Wiesen- und Ackerlandschaft zwischen Hengstfeld und Schleehardshof – durchziehen. „Das ist der Effekt unserer langjährigen Maßnahmen“, freut sich Benjamin Waldmann vom Regierungspräsidium Stuttgart. Seit sieben Jahren schafft der aus Satteldorf Stammende in enger Zusammenarbeit mit weiteren Behörden, Verbänden und lokalen Landwirten Bedingungen, die Agrarvögeln ein sicheres Rast,- und Bruthabitat bieten.

Wiedervernässen von trockengelegten Flächen, angelegte Wassermulden, besser bekannt als „Kiebitz-Paradiese“, oder der Weide-Einsatz von Dexter-Rindern gehören zu den umgesetzten Maßnahmen. Seit vergangenem Jahr steht die Ansaat von mehrjährigen Blühmischungen auf den sonst intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen im Fokus. „Dafür kooperieren wir im Dreiergespann – Regierungspräsidium, Landschaftserhaltungsverband Hall und Landwirtschaftsamt Ilshofen – mit sechs Landwirten, die anstatt Kulturen Blühmischungen auf ihre Ackerflächen bringen und dafür Ausgleichszahlungen erhalten“, erklärt Waldmann. Allerdings sei es nicht immer einfach, das passende Fördermodell zu finden und die Beratung der Bewirtschafter sei ziemlich zeitintensiv.

In der Pilotphase

„Wir sind momentan in der Pilotphase, gehen gemeinsam die Felder ab und besprechen, was wir noch optimieren können.“ So führt es den Hohenloher regelmäßig in die Heimat. Das Vogelschutzgebiet liegt dem 40-Jährigen persönlich am Herzen. Immerhin war es sein Vater, Gerhard Waldmann, der mit dafür sorgte, dass das rund 540 Hektar große Areal heute unter europaweitem Schutz steht. Als dort im Jahr 2001 ein Ökologiepark mit acht Windrädern, einer Biogasanlage und einem Golfplatz geplant war, hatte der Hobby-Fotograf längst sämtliche Vögel bestimmt und schriftlich festgehalten. „Insgesamt konnte ich zu der Zeit über 35 Vogelarten nachweisen, wovon nach der Roten Liste 27 Arten gefährdet und sogar neun Gattungen vom Aussterben bedroht waren“, erzählt Waldmann senior, dessen Beobachtungen das Land veranlassten, das Gebiet genauer zu untersuchen.

Dass Sohn Benjamin sich heute von Amts wegen um Naturschutz und Landschaftspflege kümmert, ist also kein Zufall. Dass er ausgerechnet das Gebiet in seiner Heimat betreut, kann man indes als glückliche Fügung bezeichnen. In der Region sind beide Waldmanns keine Unbekannten. Weil sich auch der Junior hobbymäßig der Naturfotografie verschrieben hat, veranstaltet das Duo oft gemeinsame Ausstellungen. Benjamin Waldmann ist zuversichtlich, dass die Maßnahmen im Vogelschutzgebiet östlich von Wallhausen gut greifen: „Die Blühbrachen, die wir eingesät haben, stehen auch im Winter. Erste Erhebungen zeigen, dass in den Flächen besonders viele Feldlerchen brüten, sogar erste Rebhühner wurden gesichtet.“

Der Naturschutzprofi erhält viel positives Feedback aus der Bevölkerung, von Spaziergängern oder Radfahrern, die diese Entwicklung wahrnehmen, aber auch Jäger melden, dass vermehrt Hasen und Co. unterwegs sind.

Auch der Vogel des Jahres schaut vorbei

2019 hat der NABU bereits zum zweiten Mal die Feldlerche zum Vogel des Jahres bestimmt – um auf ihre Gefährdung aufmerksam zu machen: Es gibt 36 Prozent weniger Feldlerchen als noch 1980. Im Vogelschutzgebiet „Hohenloher Ebene östlich von Wallhausen“ kann man sie ebenso wie andere besonders gefährdete Feldvögel antreffen. 40 Vogelarten wurden seit 2017 per Wildkameramonitoring dokumentiert.

Ganz viel Natur und ganz viel Einsatz

Die Gemeinde Wallhausen ist stolz auf gleich zwei nicht alltägliche besondere Freibäder.

Das Naturerlebnisbad in Wallhausen.
Das Naturerlebnisbad in Wallhausen.
Das Familienfreibad in Hengstfeld.
Das Familienfreibad in Hengstfeld.

Wallhausen. Während man in anderen Gemeinden froh wäre, überhaupt ein Freibad zu haben, gibt’s in Wallhausen gleich deren zwei – und zwar nicht irgendwelche, sondern solche mit absolutem Wiedererkennungswert. Da ist, erstens, das Naturerlebnisbad im Hauptort: Vor mehr als 13 Jahren wagte man den Umbau vom konventionellen Allerweltsbad zum naturnahen Schwimmteich ohne Chlor und sonstige chemische Zusätze. Heute ist die Einrichtung gut etabliert. Fast drei Dutzend Delegationen aus verschiedenen Städten und Gemeinden haben sich das Naturerlebnisbad bereits angeschaut. Denn: Öko liegt mehr denn je im Trend.

Und so ist Kämmerer Jürgen Rosenäcker noch immer froh, dass die Gemeinde seinerzeit den unausgetretenen Pfad beschritten hat – auch wenn die Betriebskosten gerade in arg heißen Sommern hoch sind, weil rund um die Uhr Frischwasser ins Bad gepumpt werden muss. 2018 stieß die biologische Reinigung an ihre Grenzen: Das Naturerlebnisbad musste für ein paar Tage geschlossen werden.

In einem solchen Fall freilich haben Erfrischungssuchende immer noch die Ausweichmöglichkeit Hengstfeld: Das dortige Familienfreibad ist ebenso klein wie fein – und ein echtes Gemeinschaftsprojekt: Vor ein paar Jahren stand es vor der Schließung, 300 000 Euro waren veranschlagt, um das Bad fit für die Zukunft zu machen – zu viel für die Gemeinde. Die Hengstfelder freilich mobilisierten alle Kräfte, steckten selbst 20 000 Arbeitsstunden in das Freibad, sammelten rund 50 000 Euro Spenden und ließen sich reihenweise zu Rettungsschwimmern ausbilden. Seit 2012 hat das sanierte Bad wieder geöffnet.

Für so viel Engagement erhielt der Freibad-Förderverein den Landesehrenamtspreis, seinem langjährigen Vorsitzenden Gerhard Tripps wurde 2018 die Landesehrennadel angeheftet. „In Hengstfeld ist es Ehrensache, Mitglied im Förderverein zu sein“, sagt Rosenäcker. Er findet das toll – ebenso wie die Tatsache, dass der Verein sich auch ins kulturelle Leben einbringt, etwa mit „Rock am Pool“ oder der Bädles-Bühne, auf der Bürger aus der ganzen Gemeinde zu begeisterten Schauspielern werden (siehe Info). Sebastian Unbehauen

Sehr beliebt: Die Bädles-Bühne

Die Auftritte der Hengstfelder Bädles-Bühne haben sich in den vergangenen Jahren zu einem echten gesellschaftlichen Ereignis für die Gemeinde Wallhausen und darüber hinaus gemausert. Heuer bereitet die Theatergruppe des Vereins Familienfreibad Hengstfeld die zweistündige Komödie „Romeo und Frieda“ in drei Akten vor. Gespielt wird natürlich auf Hohenlohisch.

Der Vorverkauf hat bereits am vergangenen Samstag begonnen – und die Tickets für die vier Vorstellungen vor je 270 Zuschauern in der Hengstfelder Festhalle sind stets überaus begehrt. Platzkarten sind noch im Getränke-Center Wallhausen erhältlich. Aufführungstermine 2020: Samstag, 8. Februar, 20 Uhr; Sonntag, 9. Februar, 16 Uhr; Freitag, 14. Februar, 20 Uhr; Samstag, 15. Februar, 20 Uhr.