Sonderveröffentlichung

ConSenio Schleichendes Vergessen

Jeder vergisst mal etwas - doch ab einem bestimmten Punkt wird das Ausmaß bedenklich.

Auch Orientierungsstörungen können ein Anzeichen für Demenz sein. © MACROVECTOR/SHUTTERSTOCK.COM

24.11.2021

Mama, das hab ich dir doch schon erzählt“ – wer diesen Satz immer öfter sagen muss, beginnt früher oder später, sich Gedanken über die Vergesslichkeit seiner betagten Mutter zu machen. Die Angstdiagnose: Demenz. Die eigenen Verwandten nicht mehr zu erkennen, Erinnerungen zu verlieren, die einen das ganze Leben begleitet haben, für viele der Horror.

Demenz ist eine Angstdiagnose

Angehörige leiden mit. „Es ist bitter, wenn einen die eigene Mutter nicht mehr erkennt“, sagt eine Betroffene, die anonym bleiben will. Doch das Vergessen betrifft nicht nur Erinnerungen, sondern auch banale Körperfunktionen. „Neulich war ich mit ihr auf der Toilette. Da sah sie mich mit großen Augen an und fragte: Was muss ich denn jetzt hier tun? Sie hatte vergessen, wie man pinkelt. Ich habe es ihr erklärt, bin aus dem Zimmer gegangen und habe geweint.“


"Es ist bitter, wenn einen die eigene Mutter nicht mehr erkennt."


Ein bisschen Vergesslichkeit im Alter ist keine Seltenheit. Doch wann wird es bedenklich? „Eine Vorstellung beim Arzt ist generell geboten, wenn die Gedächtnisstörungen neu auftreten und anhalten oder wenn für den Betroffenen wichtige Dinge vergessen werden“, erklärt Prof. Janine Diehl-Schmid, Leiterin des Zentrums für kognitive Störungen am Klinikum rechts der Isar in München. Gleiches gelte, „wenn die Betroffenen unangemessen oft Fragen oder Gesprächsinhalte wiederholen, weil sie sich nicht mehr erinnern können, dass sie dieses oder jenes schon erzählt oder gefragt haben“, erläutert Diehl-Schmid. Orientierungsstörungen oder Probleme mit der Benutzung von Handy, Computer oder Kaffeemaschine sind ebenfalls Alarmsignale – sofern das vorher problemlos funktioniert hat.

Auf erste Alarmsignale achten

Eine erste Anlaufstelle kann dann der Hausarzt sein. Neurologen oder Psychiater können aber in der Regel besser feststellen, ob im konkreten Fall „nur“ eine Vergesslichkeit oder eine beginnende Demenz vorliegt. Es gibt auch sogenannte Gedächtnissprechstunden. Eine Übersicht findet man im Internet zum Beispiel bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Die Pflege eines Demenzkranken ist anstrengend – vor allem psychisch. Deshalb raten Mediziner Angehörigen häufig, diese Aufgabe nicht allein zu übernehmen, sondern sich Hilfe zu suchen. ka/dpa