Sonderveröffentlichung

Mein Donaustetten, Gögglingen, Unterweiler Biber, Fische und Insekten – einfach nah dran an der Natur in Donaustetten, Gögglingen und Unterweiler

Die südlichen Ulmer Ortsteile sind nah am Wasser gebaut: Die Donau und die Natur prägen das Leben hier.

Walter Häbich zeigt Martina Bouslair seine Bienen.

20.07.2021

Biber haben sich im Fischbach bei Unterweiler angesiedelt, in einem nunmehr zum Biotop entwickelten Rückhaltebecken, das bei viel Regen gegen Hochwasser schützen sollte. Mit der Zeit wuchsen um das Gewässer viele Pflanzen. Heute sieht es fast aus wie ein Dschungel. In das Becken fließt der Fischbach. Staudämme und Untergrabungen zeugen von neuen Bewohnern: „Um 2007 hat sich der Biber hier angesiedelt und sogar den Eisvogel gibt es hier“, schwärmt Walter Häbich, ehemaliger Ortsvorsteher von Unterweiler. Dasselbe gilt für das Donau-Altwasser in Gögglingen-Donaustetten: „Der Biber ist ein Landschaftsgärtner“, bemerkt der Gögglinger Simon Henle, der Gewässerwart beim Fischereiverein Ulm/Neu-Ulm und Angler ist. Er deutet auf Schneisen, die der Biber an der Böschung hinterlassen hat und Wasserwege, die er geschaffen hat. „Früher war hier alles mit Schilf zugewachsen, jetzt sind hier Wasserwege, in denen sich wieder Fische angesiedelt haben“, erklärt Henle. Allerdings gibt es auch Schattenseiten: „Der Biber unterhöhlt den Donaudamm, wo keine Steinschüttungen sind und er staut die Gräben Richtung Einsingen.“ Diese Gräben dienten hier im Ried zur Entwässerung der Äcker. Heute laufen sie bisweilen über. „Das führt zur Überflutung von Äckern und Wiesen“, so Henle.

FOTOS: PETRA STARZMANN
FOTOS: PETRA STARZMANN

In der Streuobstwiese schwirrt es

Ende der 1990er-Jahre wurde gleich neben dem Rückhaltebecken auf städtischem Boden eine Streuobstwiese angelegt, als Ausgleichsfläche für ein Baugebiet, erinnert sich Häbich. „Streuobstwiesen haben einen hohen ökologischen Stellenwert“, betont Ortsvorsteherin Martina Bouslair: „Für die Bürgerinnen und Bürger galt es schon, sich umzustellen, dass diese Wiese und auch andere nicht kurz gehalten werden, sondern nur ein bis zweimal im Jahr gemäht werden. Sie sollen ja ein Lebensraum für Insekten und andere Tiere sein.“ Auch der Biber schaut vom nahen Wasser mal vorbei. „Daher müssen wir die Bäume mit Drahthosen schützen.“ Die Obstbäume sind alte Sorten, die vor allem im letzten Jahr einen hohen Ertrag brachten. „In solchen Fällen informieren wir im Mitteilungsblatt, dass sich die Bürgerinnen und Bürger gerne bedienen dürfen“, unterstreicht Martina Bouslair. Am Rande der Streuobstwiese beim Retensionsbecken stehen die Bienenkästen von Walter Häbich, der sich seit 20 Jahren der Imkerei widmet: „Ich war schon immer interessiert an Insekten. Dann habe ich Imkerkurse in Hohenheim und Ulm besucht. Angefangen habe ich mit drei Völkern.“ Heute hat er sieben Völker, für die er einiges an Zeit und Geld investiert – schon allein die Gerätschaften für die Honigproduktion sind alle aus Edelstahl. „Doch durch den Honig kommt auch wieder etwas rein“, schmunzelt Häbich.

Der Fisch-Künstler

Ein aufwändiges Hobby hat auch Simon Henle. In seinem Garten bei der Donau liegt seine Werkstatt für Fischpräparationen. „Mit 18 habe ich angefangen“, erzählt der 58-Jährige. „Als Fischer willst du auch mal ein Präparat an der Wand haben. Und es hat gleich funktioniert. Gemacht habe ich das zuerst nur für mich, dann auch für Freunde. Schließlich habe ich ein Gewerbe angemeldet.“ Heute hat er einen deutschlandweiten Kundenstamm, denn Fischpräparateure sind rar. Das Verfahren ist mit den Jahren aufwändiger geworden, zum Beispiel wird bei der Farbgebung mit Airbrush-Technik gearbeitet.

Wichtig ist ihm allerdings: „Der Fisch wird vom Angler gegessen!“ Petra Starzmann