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Sou, bisch trotzdemm doa? - Muswiesen-Sonderbeilage 2021 Marktmeister Florian Reiß: Er behält immer die Übersicht über den Musdorfer Jahrmarkt

  

Marktmeister Florian Reiß ist in gewissem Sinne ein Puzzler: Die Teile in Musdorf müssen sich so zusammenfügen, dass beispielsweise die Stromkästen ihren Dienst tun können. Foto: Sebastian Unbehauen

18.10.2021

Florian Reiß ist vor zehn Jahren zum Marktmeister der Muswiese ernannt worden. Sein Jubiläum hat er sich natürlich anders vorgestellt – aber sei’s drum: Auch die Musdorfer Markttage sind eine Herausforderung. Und auf das Wiedersehen mit vielen Händlern freut er sich schon.

Normalerweise würde es hier jetzt schon ganz anders ausschauen“, sagt Florian Reiß (38) anderthalb Wochen vor dem eigentlichen Muswiesen-Termin. Er steht neben der Reithalle in Musdorf. Klar, der Stand der Metzgerei Laubinger, dessen Aufstellen fast schon traditionell die heiße Phase der Vorbereitungen einläutet, hätte normalerweise längst seinen Platz gefunden. Die Karawane des Festwirts Hahn wäre schon vom Crailsheimer Volksfest Richtung Musdorf gezogen, das Gewerbezelt würde aufgestellt. Hätte, wäre, würde, schön und gut – aber ist halt nicht so. Stattdessen: gähnende Leere auf dem Festplatz. Nur ein Toilettenwagen kündet von den Markttagen vom 22. bis zum 24. Oktober. 
     

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„Es fehlt was“, sagt Reiß. „Von manchen Marktleuten hat man sich 2019 verabschiedet und ,Bis nächstes Jahr’ gesagt, und jetzt werden’s vielleicht drei Jahre, bis man sich wiedersieht. Wenn sie überhaupt alle wiederkommen. Und ich bin ja nicht nur als Marktmeister, sondern auch privat auf dem Fest unterwegs. Da ist es bei mir wie bei allen anderen auch: Normalerweise trifft man auf der Muswiese zum Beispiel frühere Klassenkameraden, die man sonst nie trifft.“

2020, als der Jahrmarkt zum ersten Mal wegen der Corona-Pandemie ausfiel, pflasterte Reiß daheim seinen Hof – aber das kann man ja auch nicht jedes Jahr machen.

Florian Reiß hat Straßenbauer gelernt. Er arbeitet seit 2007 beim Bauhof in Rot am See – und half dem früheren Marktmeister Günter Kurr seit 2008 bei den Muswiesen-Vorbereitungen. 2011 bekam Kurr die Abschiedsurkunde überreicht, Reiß wurde offiziell zum Marktmeister ernannt. Seither behält er unaufgeregt die Übersicht – ob es nun saumäßig regnet wie 2013 oder ob die brütend heiße Sonne die Musdorfer Äcker in Staubwüsten verwandelt wie 2018. Als „Niedrig-Puls-Typ“ hat das HT Reiß vor Jahren bezeichnet. Das ist er geblieben. Wild herumtobend hat ihn ganz sicher noch keiner erlebt.


"Ich muss die Ruhe bewahren und schauen, dass jeder seinen Platz bekommt."


„Ich muss die Ruhe bewahren und danach schauen, dass jeder Händler und jeder Aussteller den Platz bekommt, der ihm zusteht“, sagt Reiß. Wenn irgendwo in der Mitte des Markts die Maße nicht passen, dann passt an den Enden der Budengassen gar nichts mehr. Aber das ist noch nie passiert, denn der Marktmeister und sein Meterstab sind ein eingespieltes Team. Und die Routine, die sich mit den Jahren einstellt, tut ein Übriges.

Genau das freilich ist die Herausforderung, wenn es an die Vorbereitung der Musdorfer Markttage geht. Hier gibt es eben keine jahrelang eingeübten Routinen, es gibt weniger Händler als sonst und die Stände sind anders angeordnet. „Anfang August haben wir mit dem Ausmessen angefangen – und seitdem mussten wir noch zweimal neu messen, weil sich die Voraussetzungen geändert haben.“ Es geht da um ganz banale Notwendigkeiten: Die Stände sollten so platziert sein, dass die Stromkästen gut erreichbar sind. „Es ist ein Puzzle“, sagt Reiß.

Der Marktmeister freut sich auf die Markttage, er freut sich auch, dass in den Budenreihen durchaus ein bisschen Muswiesen-Flair aufkommen könnte und dass die Parkplätze auf dem Freigelände und entlang der Landesstraße regensicherer sind als jene auf den Äckern in normalen Muswiesen-Jahren.

Ob er schon einen Einkaufszettel geschrieben hat? „Nein“, sagt Reiß und lächelt. „Das mache ich nie. Ich laufe einfach durch den Markt und schaue, was ich gerade brauchen kann.“ Er hat also keine großen Konsumwünsche, aber natürlich einen anderen, wichtigeren Wunsch: „Dass 2022 so viel wie möglich so läuft, wie es vorher war.“ Sebastian Unbehauen