Von Christina Hölz

Am Anfang war der Mut. Wie meist, wenn kreative Köpfe den Schritt in ein selbstständiges Berufsleben wagen. Auch Bernhard Uihlein, Geschäftsführer der Dettinger EPflex Feinwerktechnik, tüftelte 1994 in seiner eigenen Garage an den ersten medizintechnischen Metallkomponenten. Aus dem Experiment ist bald mehr geworden, aus der Garage eine Werkstatt: Bernhard Uihleins Sohn Georg, damals sieben Jahre alt, staunte nicht schlecht, als er eines Abends sein Tretauto am angestammten Platz parken wollte: „Da stand nämlich ein Laser.“


Hank + Hirth Part mbB Freie Architekten

Georg Uhilein, der Kettcar-Fahrer von damals, managt heute den Vertrieb im Unternehmen seines Vaters. Und natürlich ist auch die Garagenwerkstatt längst Geschichte. Die Medizintechnik-Experten der Firma EPflex haben 25 Jahre voller Wachstum hinter sich. Aus dem Ein-Mann-Betrieb ist ein Unternehmen mit 370 Mitarbeitern geworden, die in Dettingen an zwei verschiedenen Standorten tätig sind. Symbolisch für den Expansionskurs der Feinwerktechniker steht die neue, eben fertig gestellte Fertigungshalle. Sie schließt direkt an den bisherigen Produktionsstandort im Gewerbegebiet Vogelsang an.

Diese Woche haben Geschäftsführung und Mitarbeiter den knapp 3000 Quadratmeter großen Neubau mit Reinraum und Büros eingeweiht.

Und die neue Halle bedeutet für EPflex nicht nur mehr Fläche, sondern auch ein Zusammenwachsen der Produktion: War die Vorfertigung der Medizintechniker nämlich bisher noch am Verwaltungs- und Stammsitz der Firma am Dettinger Schwöllbogen untergebracht, so können jetzt alle Produktionsmitarbeiter an einem Standort im Gewerbegebiet arbeiten. Das vereinfacht auch die Logistik: „Bislang mussten wir die vorproduzierten Teile mit dem Elektromobil ins Gewerbegebiet fahren. Nun haben wir die ganze Produktion an einem Standort“, sagt Vertriebsleiter Georg Uihlein.


Eissler Vermessungsbüro

Sieben Millionen Euro hat EPflex in die neue Halle in Dettingen investiert, um im Reinraum mehr Platz zu schaffen für die Herstellung feiner Führungsdrähte, wie sie in der minimalinvasiven Chirurgie verwendet werden. Denn immer mehr Eingriffe kommen ohne große Schnitte und aufwendige Operationen aus – weswegen gerade die Sparte der Medizintechnik zunehmend gefragt ist, auf die sich das Dettinger Unternehmen spezialisiert hat, erklärt Uihlein.

Blick in die Innenräume der neuen Halle: Mitte der Woche haben Geschäftsführung und Mitarbeiter den Neubau eingeweiht.
Blick in die Innenräume der neuen Halle: Mitte der Woche haben Geschäftsführung und Mitarbeiter den Neubau eingeweiht.
Hier ist noch für die Belegschaft bestuhlt, später wird im Neubau aus Sicherheitsgründen im Reinraum gefertigt.
Hier ist noch für die Belegschaft bestuhlt, später wird im Neubau aus Sicherheitsgründen im Reinraum gefertigt.

Benötigt werden die feinen Drähte etwa bei Herzkathetern, in der Urologie, bei Eingriffen an Gefäßen oder wenn Stents eingebracht werden müssen. Die minimalinvasive Chirurgie, ein Vorgehen mit kleinsten Operationswunden, hat viele Vorteile. Beispielsweise werden die Patienten mit geringeren Risiken konfrontiert und können sich schneller wieder erholen.

Neben den Führungsdrähten produzieren die Dettinger auch handgefertigte Steinfangkörbchen, die in der Urologie und Gastroenterologie eingesetzt werden. Nämlich dann, wenn den Patienten Nieren- oder Blasensteine entfernt werden müssen.

Gefragt sind die Produkte made in Dettingen inzwischen in Arztpraxen und Krankenhäusern weltweit, sagt Georg Uihlein, der auch das Marketing betreut. Und bei EPflex werden die Metallkomponenten mittlerweile nicht nur entwickelt und hergestellt, sondern immer häufiger gleich steril in eine Plastikfolie verpackt. Das haben früher die Kun

Das haben früher die Kunden des Mittelständlers übernommen. Weil der Trend aber zur fertigen Lieferung aus einer Hand gehe, müssen die Dettinger nun mehr Material parat haben. Im Neubau wird deswegen zudem ein kleines Lager eingerichtet. Auch das Personalbüro soll mittelfristig vom Stammsitz in den Neubau ziehen.

Unterm Strich steht dem Unternehmen jetzt in allen drei Gebäuden eine Fläche von gut 7000 Quadratmetern zur Verfügung. Und die können die Medizintechniker brauchen, ist Georg Uhilein überzeugt. Denn das Unternehmen profitiert vom medizinischen Fortschritt und vom Trend hin zu minimalinvasiven Eingriffen. „Wir sehen einer steigenden Nachfrage entgegen und könnten mehr verkaufen, wenn wir mehr Kapazitäten hätten“, urteilt der Vertriebsleiter.

Allein in diesem Jahr ist die Zahl der Mitarbeiter nochmals kräftig angestiegen, von 300 auf 370 Beschäftigte. Dazu gilt die Medizintechnik-Branche als krisenresistent und von der Konjunktur unabhängig: „Der Markt bietet sicher auch in Zukunft viel Raum für Innovationen.“