Die ehemalige Freie Reichsstadt Reutlingen ist reich an Traditionen: Sei es der Brauch des Mutschelns rund um Dreikönig im Januar, sei es der Schwörtag jeweils im Sommer oder aber der Schiedweckentag, zu dem immer am Mittwoch nach dem zweiten Fastensonntag eingeladen wird.

An diesen Festtagen gibt es von alters her auch immer etwas Besonderes zu essen. So etwa die Mutscheln, buttrige Hefe- oder Mürbteig-Sterne, die man am besten zu einem Glas Wein genießt. Und dabei fröhlich zu Würfeln greift, schließlich wird um die schönste und größte Mutschel in gemütlicher Runde gespielt, der Sieger am Würfeltisch darf sie dann als Gewinn mit nach Hause nehmen.

Treffpunkt Lichtstube

Und am Schiedweckentag? Da kredenzen die Reutlinger köstliche Pasteten – die Schiedwecken. Diese waren ursprünglich tatsächlich einfache Wecken, die zum Abschied von der winterlichen Lichtstube zu Wein gereicht wurden. Die Lichtstube wiederum war ein äußerst beliebter Treffpunkt für die Menschen aus der Nachbarschaft.

Um Brennholz und Kerzen zu sparen, versammelte man sich damals gemeinsam in einer Stube, darunter auch die ledigen Mädchen und Burschen. Da wurde dann fleißig gearbeitet – vor allem Ausbesserungsarbeiten an Haushaltsgegenständen und Werkzeug, aber auch Handarbeiten wie Stopfen, Stricken, Spinnen standen auf dem Programm. Und natürlich wurde dabei viel geredet und erzählt.

Mit dem Ende des Winters kam dann auch immer das Ende der Lichtstube. Und diese letzte Lichtstube der Saison wurde dann festlich begangen. Es wurden Wecken gereicht, dazu gab es Wein oder Most, und natürlich wurde auch zum Tanz aufgespielt. In Erinnerung daran hat sich in Reutlingen bis heute der Brauch des Schiedweckentages erhalten.

Vegetarische Variante

Dann bieten zahlreiche Bäckereien die köstlichen Gebäckstücke zum Mitnehmen an. Die Pasteten sind mit Kalbfleisch und Kräutern gefüllt, inzwischen gibt es sie auch in einer vegetarischen Variante. Normalerweise werden sie warm gegessen, dazu gibt es einen frischen Salat. Wer noch mehr Würze braucht, der verfeinert seine Pastete mit einigen Tropfen Zitronensaft und Worcestershiresauce.

Auf diese Weise werden die Pasteten selbstverständlich auch in diesem Jahr serviert – nämlich am Mittwoch, 11. März, wenn der Reutlinger Geschichtsverein zum gemeinsamen Essen in die Stadthalle einlädt. Im Anschluss an die Mahlzeit gibt es wie einst in der Lichtstube Geschichte(n) zu hören, an diesem Abend in Form eines Vortrags zu einem historischen oder kulturgeschichtlichen Thema.

Der Abend in der Stadthalle startet mit der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Geschichtsvereins, Professor Roland Wolf. Referent nach dem gemeinsamen Essen ist dann Professor Dr. Claus Wolf, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege in Baden-Württemberg. In seinem Vortrag „Erforschen, Erhalten, Pflegen und Fördern: Aufgaben und Herausforderungen der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg“ verdeutlicht der oberste Denkmalpfleger im Land die vielfältigen Herausforderungen für die Denkmalpflege heute.

Denn: Denkmale sind Zeugnisse vergangener Zeit und Kulturen. Sie sind Teil der Geschichte und erlauben einen unmittelbaren Zugang zur Vergangenheit. Sie prägen aber auch das Bild von Städten, Dörfern und Landschaften. Der Vortrag umfasst alle Aspekte der modernen Denkmalpflege, diese werden anhand aktueller Beispiele aus Reutlingen, der Region und dem übrigen Land vorgestellt.

Die Veranstaltung am Mittwoch, 11. März, in der Reutlinger Stadthalle beginnt um 19 Uhr, Saalöffnung ist bereits um 18 Uhr. Eine Anmeldung zum Schiedweckenabend wird bis Montag, 2. März, bei der Geschäftsstelle des Geschichtsvereins erbeten – telefonisch unter (0 71 21) 3 03 23 87 oder per E-Mail an geschichtsverein@reutlingen.de. mcj