• Einwohner Von 1990 bis 2000 wuchs Wolpertshausens Bevölkerung von 1300 auf gut 1800 Menschen. Am 30. Juni 2019 lebten in dem Ort 2278 Leute auf einer Gesamtfläche von 2750 Hektar.

• Ortsteile Zu Wolpertshausen gehören die Teilorte Cröffelbach, Haßfelden, Hohenberg, Hopfach, Hörlebach, Reinsberg, Rudelsdorf und Unterscheffach.

• Energie Mehr Strom als die Gemeinde verbrauchen kann, stammt aus regenerativen Energiequellen wie Biogas, Wasserkraft, Windenergie und Fotovoltaik. Der Stromverbrauch liegt bei 12 077 Megawattstunden (MWh) und die Stromeinspeisung bei 13 212 MWh.

• Vereine Auf der Internetseite der Gemeinde gibt es unter „Vereine“ 22 Einträge – beginnend mit dem Kanoniercorps Hohenlohe und endend mit den „wolpis nullbishundert“.

• Hallen In Wolpertshausen sind drei Sport- und Festhallen zu finden: die Mehrzweckhalle, die Herolthalle und der Europasaal. In Letzterem finden viele Veranstaltungen statt.


Filmstudio neben dem Kuhstall

Neig’schmeckt: Julian Appelt stammt ursprünglich aus Bayern. In seiner neuen Heimat Wolpertshausen hat er sich bestens eingelebt und gestaltet als Gemeinderat bereits fleißig mit.

Julian Appelt im Hof seines Zuhauses, dem Weirichhof, wo der gebürtige Bayer vor drei Jahren hingezogen ist.
Julian Appelt im Hof seines Zuhauses, dem Weirichhof, wo der gebürtige Bayer vor drei Jahren hingezogen ist.

Von Sonja Alexa Vollmann

In einer kleinen Seitenstraße von Wolpertshausen steht ein stillgelegter Bauernhof, der Weirichhof. Hinter der Scheune wurde eine Autowerkstatt angebaut und was dort passiert, mag für viele eine kuriose Sache sein. Julian Appelt verdient in diesem Raum sein Geld, nicht wie es naheläge, mit dem Reparieren von Autos, sondern, indem er Filme darüber dreht. Diese werden auf dem Internetkanal Youtube rund eine Million Mal pro Monat angeklickt. Von Werbung und Sponsoring lebt der Kfz-Meister, der sich nun treffender „Youtuber“ oder „Influencer“ nennen müsste.

Warum der Bayer, der in Starnberg aufwuchs und einige Jahre in München verbrachte, in Wolpertshausen gelandet ist, hat eine Vorgeschichte: Mit dem Filmen von Reparaturen begann Appelt schon während seiner Zeit in München. Er lebt mit einem Freund in einer Wohngemeinschaft. Dass die beiden damit Geld verdienen könnten, hat sie selbst überrascht. Sie machten weiter, obwohl Appelt nach Würzburg auf die Meisterschule ging. Von dort aus baute er seine Verbindung nach Wolpertshausen auf. Er lernte nämlich seine zukünftige Frau Melissa Leinmüller, eine Geografiestudentin aus dem Hohenloher Ort kennen. Die Entscheidung für den gemeinsamen Wohnort war schnell gefallen: Im Jahr 2016 zog das Paar in das große Haus von Melissa Leinmüllers Großvater. Dort leben sie seither wie in einer Mehrgenerationen-WG. Denn mittlerweile ist Tochter Ida auf der Welt.

„Die Wolpertshausener sind sehr offen und humorvoll“, findet Julian Appelt, der sich in Hohenlohe sehr wohlfühlt. Um in seiner neuen Heimat Anschluss zu finden, trat der 27-Jährige in die Feuerwehr ein und fühlte sich im Nu im Ort integriert. Als er für die Floriansjünger bei einer Gemeinderatssitzung teilnahm, war ihm klar, dass er gerne in seinem Umfeld etwas bewirken möchte. „Nicht meckern, machen!“ ist sein Motto. Frischen, jungen Wind, das könnte der Gemeinderat brauchen, dachte er sich und eröffnete in letzter Minute noch eine Liste mit dem Titel „Junge Leute“ für die Gemeinderatswahl. Der Bürgermeister räumte ihm, als Unbekannten im Ort, wenig Chancen ein. Das spornte den Neubürger erst recht an. Er sammelte die notwendigen 20 Unterschriften für die Liste und hing motiviert Wahlplakate auf.

Geworben hat er für sich vor allem mit den Bestrebungen, für schnelles Internet in den Teilorten und für mehr Familienfreundlichkeit, vor allem für das Erneuern der Spielplätze. Außerdem zeigte er ein Herz für die verschiedenen Belange der Landwirte und der örtlichen Vereine. 600 Stimmen brachte ihm das. Er wurde gewählt.

Zeit für die Belange der Gemeinde erlaubt ihm sein ungewöhnlicher Beruf. Eine Woche im Monat dreht er mit seinem Geschäftspartner und ehemaligen Mitbewohner Max einige Filme, sodass die Fans monatlich vier neue Reparatur-Tutorials zu sehen bekommen. In Wolpertshausen kenne man ihn kaum als Youtuber, aber wenn er in Crailsheim in die Disco geht, dann sprechen ihn die jungen Leute an, meint er schmunzelnd.

187 000 Abonnenten hat sein Kanal. Gedreht hat er bereits für die Zeitschrift „Auto Motor und Sport“ und für die Sendung „Operation Auto“ auf Sport1 – alles im Werkstatt-Filmstudio in Wolpertshausen hinter der Scheune. Manchmal muht eine Kuh vom Nachbarn in die Aufnahmen. Etliche Fahrzeuge stehen noch in der Scheune, die demnächst vor laufender Kamera repariert werden. Der Opa hat sich übrigens am Anfang über den Beruf von Julian Appelt gewundert. „Aber mittlerweile schaut er sich jeden einzelnen Film mehrmals an“, erzählt Melissa Appelt lachend und auch ihr Mann grinst.