Weniger Stress im Alltag
Sonderveröffentlichung

Pädagogische Fachkräfte Weniger Stress im Alltag

Erzieher: Damit das Personal in Kindergärten und Kitas, aber auch in Schulen, für die Belastungen im Beruf gewappnet ist, gibt es neue Gesundheits-Angebote.

Erzieher und Erzieherinnen sind im Berufsalltag oft Belastungen ausgesetzt. Um sie zu unterstützen, gibt es neue Gesundheits-Angebote. Symbolfoto: dpa/Daniel Naupold

23.11.2023

Um pädagogische Fach- und Lehrkräfte vor einem Burnout zu bewahren, bietet die Baden-Württemberg Stiftung neue Fortbildungen an. „Pädagogische Fach- und Lehrkräfte sind häufiger Lärm und psychischer Belastung ausgesetzt als andere Berufsgruppen“, erklärte die Stiftung in Stuttgart dazu. Auch eine Befragung im Kontext der aktuellen „Iglu“-Studie, die international Leseleistungen von Kindern am Ende der vierten Jahrgangsstufe vergleicht, zeige, dass sich fast die Hälfte des Lehrpersonals im Arbeitsalltag erschöpft und überlastet fühle. Damit steige das Risiko für ein Burnout-Syndrom und damit verbundene psychische Erkrankungen. 

Genaue Zahlen hat die Lehrergewerkschaft GEW Baden-Württemberg nicht. Psychische Gesundheit des Personals ist dort aber schon lange Thema. Die GEW setzt sich auch für eine Stärkung von Prävention ein. „Ein wichtiges Instrument wäre, wenn Coaching und Supervision zum Standard würden“, teilte Geschäftsführer Matthias Schneider mit. Supervision ist eine berufliche Beratung, bei der Erfahrungen besprochen werden. 

Neue Fortbildungen

Die Stiftung und das Universitätsklinikum Ulm haben nun für ihr Gesundheitsprogramm „Komm mit in das gesunde Boot“ neue Fortbildungen entwickelt: In kostenlosen Workshops sollen Pädagoginnen und Pädagogen Hintergrundwissen, Übungen und Materialien erhalten, die beim Umgang mit psychosozialen Belastungen helfen und im Schul- oder Kindergartenalltag sowie privat angewendet werden können. Es gehe darum, gesundheitlichen Belastungen vorzubeugen, Stress zu minimieren und die Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, zu stärken. „Nach einer Pilotphase starten die Angebote jetzt landesweit“, hieß es. Erzieherinnen und 

Erzieher leisteten essenziell wichtige Arbeit für die Gesellschaft, erklärte Stiftungs-Geschäftsführer Christoph Dahl. Und der Mangel an Fachkräften in diesem Bereich sei groß. „Wir setzen uns deshalb dafür ein, dass pädagogische Fach- und Lehrkräfte bei ihrer Arbeit gesundheitlich unterstützt werden und bieten mit unserem Programm wissenschaftlich fundierte Angebote zur Entlastung.“ 

Aus Sicht der GEW sind bessere Arbeitsbedingungen wie kleinere Gruppen in Kitas und kleinere Klassen die wirksamste Maßnahme, damit Pädagoginnen und Pädagogen (länger) gesund arbeiten können. Jedoch teilte Schneider mit: „Durch den Fachkräftemangel hat sich die Situation in den vergangenen Jahren verschlechtert statt verbessert.“ 

Seit 2009 unterstützt die Baden-Württemberg Stiftung mit dem Programm „Komm mit in das gesunde Boot“ die Gesundheitsförderung von Kindern bis zehn Jahren. Ein interdisziplinäres Team der Ulmer Uniklinik schult Erzieherinnen und Erziehern sowie Lehrkräfte an Grundschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ), um Kinder spielerisch für die Themen gesunde Ernährung, Bewegung und Achtsamkeit zu begeistern. 

Mehr als 10 000 pädagogische Fach- und Lehrkräfte aus 3000 Einrichtungen und Schulen im Südwesten haben den Angaben zufolge seither an den Fortbildungen teilgenommen. Nun soll es eben auch Fortbildungen für die pädagogischen Fachkräfte geben, um deren Gesundheit langfristig zu unterstützen. dpa/lsw