Arzneimittelmangel: Ried+Apotheken Ulm kümmert sich!
Sonderveröffentlichung

Ried+Apotheken Ulm Arzneimittelmangel: Ried+Apotheken Ulm kümmert sich!

Dauerhaft viele Arzneimittel durch massive Aufstockung der Lager vorrätig haben.

Apothekerin Alexandra Ried beim Einlagern von Arzneimitteln in den Kommissionierautomaten ihrer Söflinger Ried+Apotheke. Foto: Ried+Apotheken

11.11.2023

„Stellen Sie sich vor, ihr Kind hat eine Lungenentzündung und braucht Antibiotika. Oder Ihre Frau benötigt ein bestimmtes Arzneimittel zur Krebstherapie. Der Arzt verschreibt das Medikament. Dann gehen Sie in die Apotheke und erhalten die Auskunft, dass der so dringend benötigte Wirkstoff nicht geliefert werden kann. Das ist eine dramatische Situation“, schildert Timo Ried. Seit 1995 versorgt der Pharmazeut die Bürgerinnen und Bürger aus der historischen Engel-Apotheke in der Hafengasse heraus. Inzwischen organisiert er zusammen mit Tochter Alexandra Ried, Ehefrau Brigitte Ried und vielen engagierten Mitarbeiterinnen insgesamt sechs Apotheken im Ulmer und Neu-Ulmer Stadtgebiet - und ist mit dem Thema Arzneimittelknappheit täglich konfrontiert.

Anhaltende Engpässe bei Medikamenten

Die Engpässe bei der Versorgung mit Arzneimitteln sind umfangreich, laut Apothekerverband sind jeden Tag 1,5 Millionen Bürger davon betroffen. Vor allem Präparate für Kinder und Antibiotika bleiben Mangelware. Bei 80 Prozent der hierzulande verschriebenen Medikamente handelt es sich um die günstigen Generika - Medikamente, für die die Patente abgelaufen sind und die daher von mehreren Herstellern produziert werden dürfen. Die in Festbetragsregelung Deutschland hat dazu geführt, dass die Produktion in Billiglohnländer wie Indien oder China abgewandert ist. Dort kommt es immer wieder zu Lieferkettenproblemen. Ein noch größeres Problem stellt für Timo Ried allerdings das de facto Monopol der Krankenkassen bei der Arzneimittelbeschaffung dar: Die gesetzlichen Krankenkassen können per Ausschreibeverfahren mit den Herstellern Preisnachlässe vereinbaren und dadurch Kosten senken. Das bedeutet, dass nur die Medikamente bestimmter Hersteller von der jeweiligen Krankenkasse erstattet werden. Die Konkurrenz mit dem wirkstoffgleichen Medikament drosselt dann ihre Produktion massiv, weil sie ja bei der Ausschreibung nicht zum Zug kam. „Und am Ende stehen wir dann mit leeren Händen vor unseren Kunden“, so Ried. Gemeinsam mit allen Mitarbeiterinnen hat es sich Timo Ried zur Aufgabe gemacht, eine sinnvolle Strategie im Umgang mit der mangelnden Verfügbarkeit wichtiger Medikamente zu entwickeln. Das Problem sei schließlich bekannt. „Über unser Warenwirtschaftssystem ermitteln wir permanent, welche Arzneimittel momentan besonders kritisch sind. Unsere Computersysteme fragen dann mehrfach am Tag die aktuelle Verfügbarkeit dieser Medikamente bei den führenden Großhandlungen ab. Darüber hinaus haben wir seit Jahren sehr gute Beziehungen zu vielen Generikafirmen aufgebaut und bestellen auch vieles dort direkt. Wir kümmern uns also intensiv um die massive Aufstockung unserer Lager. Dadurch sind wir in der glücklichen Lage, dauerhaft viele Arzneimittel vorrätig zu haben: Gerade jetzt in der Herbst- und Winterzeit entstehen immer wieder Engpässe, zum Beispiel bei Antibiotika-Säften für Kinder. Von den zwanzig gängigen Säften sind auf dem deutschen Markt momentan zehn gar nicht verfügbar. Aber wir haben Sie alle und ständig über 2.000 Antibiotikasäfte vorrätig, so dass wir auch Durststrecken überwinden können.“

Gut gefüllte Lagerbestände sind Chefsache

Zu den mittelfristigen Lösungen im Umgang mit der Krise gehört also nicht nur eine sehr gute Branchenkenntnis, sondern auch die Bereitschaft, mit der Erfahrung der vergangenen Jahre proaktiv umzugehen: „Wir sind in der Lage, Engpässe zu antizipieren und entsprechend zu reagieren. Und zwar rechtzeitig.“ Das gemeinsame Warenlager der sechs Ried+Apotheken ermöglicht einen unkomplizierten Austausch von Medikamenten untereinander. Darüber hinaus setzt Ried auch auf die Vernetzung mit anderen Apotheken, um die Gesamtversorgung vor Ort gemeinsam zu bewältigen. Im Online-Shop der Ried+Apotheken ist außerdem jederzeit einsehbar, welche Medikamente an welchem Standort und auch beim Pharma-Großhandel überhaupt verfügbar sind - dadurch wird die größtmögliche Transparenz für alle Kunden, ob Privatpersonen, Arztpraxen oder Klinikambulanzen, gewährleistet. Langfristig ist aber das Einschreiten der Politik zwingend notwendig, so der Apotheker. Das Rabattvertrags-Einkaufsmodell der Krankenkassen müsse dringendst reformiert werden und könne sich nicht weiter allein nach dem Preis richten. Ein erster Gesetzentwurf wurde bereits im Bundestag beschlossen, aber es wird Jahre dauern, bis das Wirkung zeigt. Familie Ried bleibt weiter am Ball, damit ihre Kunden gut versorgt werden und es zu Recht heißt: Ried hat´s. Von Julika Nehb