Magische Mythen: Rauhnächte
Sonderveröffentlichung

Wir im Illertal Magische Mythen: Rauhnächte

Advent und Weihnachten sind eine besondere Zeit, die seit Jahrhunderten durch mannigfaltiges Brauchtum geprägt ist. Ebenso die Tage zwischen den Jahren mit den Rauhnächten.

In den Rauhnächten zwischen den Jahren scheint die Zeit stillzustehen. Fotos: Klaus Michael Obwald

28.12.2023

Heidnischer Hokuspokus oder heilige, heilsame Zeit - viele Geheimnisse ranken sich H um die zwölf Nächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar. Auch allerlei Aberglaube, Brauchtum und Rituale, um in der dunklen Zeit, zu sich zu finden.

In der vorchristlichen Mythenwelt des Winters treiben allerlei schaurige Gestalten in der nächtlichen Natur ihr Unwesen. Man selbst zieht sich in sein schützendes Zuhause zurück. Doch in der Fantasie kennt man im unheimlichen Dunkel draußen vor der Tür die furchterregende „Wilde Jagd“. Ein Geisterheer, das hinter verlorenen Seelen her ist, angeführt vom germanischen Göttervater Odin. In Süddeutschland ist es die aus Sagen bekannte Fruchtbarkeitsgöttin Frau Holle. Als Spinnerin des Lebensfadens ist sie verantwortlich für das menschliche Schicksal. Das wilde Heer führt sie an, bevor sie dafür sorgt, dass die Natur wieder erwacht, wenn es aufs Frühjahr zugeht. Frau Perchta, eine vorkeltische Fruchtbarkeitsgöttin, zählt als Anführerin der rasenden Geisterschar zu den unheimlichsten Winterdämonen der Mythologie. Ungehorsame Menschen straft sie in den Zwischennächten mit Albträumen oder, sofern man ihr begegnet, mit martialischen Strafen.

In der Zeit zwischen den Jahren scheint das Tor von realer zur Geisterwelt offen zu sein. Die Zeit scheint stillzustehen. „Das heißt, der Mensch empfindet anders, wenn er in diesen Tagen die Möglichkeit entdeckt, sein Augenmerk mehr auf sein Inneres zu legen“, sagt Birgit Adler, Räucherfachfrau aus Herrlingen. „Um diese dunkle Zeit zu überstehen, um sich zu schützen, um Furcht und Ängste zu besiegen, sind Bräuche und Riten entstanden, die mancher auch heutzutage noch in den Rauhnächten praktiziert. Zum Beispiel das Räuchern mit kostbarem Räucherwerk.“

Von Heike Viefhaus


Geheimnisvolle Nächte zwischen den Jahren

„Rauhnächte“ - schon im Klang des Wortes liegt Geheimnisvolles. „Zwölfnächte“ wird die Zeit zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar im Volksmund auch genannt, Weihe-, Los- oder Zwischennächte sind weitere Bezeichnungen.

Ihren Ursprung hat diese besondere Zeit zwischen den Jahren nicht nur in Brauchtum und Aberglauben. Sondern auch in einer Umstellung der kalendarischen Zeitbestimmung: als das Jahr nicht mehr nach Mondphasen, sondern nach dem Lauf der Sonne gemessen wurde. Ein Jahr umfasste statt 354 Tagen nun 365 Tage. Elf Tage und zwölf Nächte blieben übrig als Zeit außerhalb der gewohnten Ordnung, in der man die Naturgesetze außer Kraft glaubte.

Eine Rauhnacht beginnt mit Sonnenuntergang am Vorabend und endet mit dem Morgengrauen. Damit die finsteren Mächte unterdessen kein Unheil stiften, etablierten sich Gebote und Verbote sowie Riten, um das eigene Schicksal günstig zu beeinflussen.

Als Vorzeichen fürs kommende Jahr galten Ereignisse, Träume und Wetterphänomene, die sich in der Rauhnachtszeit abspielten. hv