Sonderveröffentlichung

19. JOB-BÖRSE DER VR BANK HEILBRONN SCHWÄBISCH HALL EG Duales Studium mit Höhenflug

Luft- und Raumfahrttechnik: Was hat Schwäbisch Hall mit der Konstruktion von Flugzeugsitzen zu tun? An der Daimlerstraße gibt es junge Menschen, die das studieren. So wie Julian Görner. Er arbeitet bei Recaro Aircraft Seating. 

Julian Görner hat seinen Traumjob gefunden: Als dualer Student für Luft- und Raumfahrttechnik arbeitet er an der Entwicklung und Optimierung von Flugzeugsitzen und den dazugehörigen Bauteilen. Nur geflogen ist er bis jetzt selbst noch nie. Aber Papierflieger lenkt er schon mal sicher durch den Raum. Fotos: Antonio De Mitri

03.05.2024

Schon als Kind liebte er das: dieses Brüllen der Motoren, der Speed. Der Motorsport war für Julian Görner das Größte. Und heute? Macht er sein duales Studium bei der Marke, die mit den Rennautos der Profis untrennbar verbunden ist: Recaro. Doch nicht die weltberühmten Autositze sind das Metier des 21-Jährigen. Görner zieht es über die Wolken: Er studiert Luft- und Raumfahrttechnik Schwerpunkt Luft- und Raumfahrtsysteme und arbeitet an der Entwicklung und Weiterentwicklung von Flugzeugsitzen mit.

„Ach so, Flugzeugsitze?“

„Das war schon ein Aha-Moment“, erinnert sich der Student aus Pfedelbach. 2022 war es, als er sein Abi gemacht hatte und sich fragte, was er wohl studieren könnte. Dass es ein duales Studium werden sollte, war für Julian Görner recht schnell klar. Er liebt den Praxisbezug. Ein bisschen surfen im Web, und es sprach ihn die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) an. Auf einem Orientierungstag der Uni präsentierte sich Recaro Aircraft Seating, mit Sitz in Schwäbisch Hall, als eigenständiges Geschäftsfeld der Recaro Group. Und da kam er, dieser Aha-Moment: „Dass die inzwischen auch Gaming-Stühle bauen, wusste ich. Aber Flugzeugsitze?“

Weit gefächertes Spektrum

Sein Vorstellungsgespräch hatte er im November 2021, los ging es dann im Oktober des Folgejahres. Julian war damals einer von rund einem Dutzend dualer Studenten, die bei der Haller Recaro Aircraft Seating jährlich anfangen. Hinzu kommt in etwa die gleiche Zahl an Auszubildenden in Lehrberufen. Das Spektrum für die Studenten ist weit gefächert: Denn neben Luft- und Raumfahrttechnik sind bei Recaro auch Studiengänge in Fächern wie Data Science & Künstliche Intelligenz, Online-Medien, Maschinenbau oder auch BWL im Angebot. Klingt attraktiv und ist es auch, gemessen an den Bewerbungen, wie Unternehmenssprecherin Mónica F. Fischer verrät. „Recaro engagiert sich stark für die Aus- und Weiterbildung von Nachwuchskräften.“

„Wenn du beim dualen Studium nicht alles gibst, geht's nicht."

Julian Görner bewarb sich damals gezielt auf die Stelle als dualer Student für Luft- und Raumfahrttechnik. Seit seinem Start pendelt er zwischen Hall und dem DHBW-Standort Friedrichshafen. Die ersten drei Monate verbrachte er am Firmenstandort, um dann für ein Semester die DHBW zu besuchen. Es folgten wieder drei Monate Schwäbisch Hall, gefolgt von einem weiteren Semester am Bodensee.

Chancen nur für die Besten

Nervt das nicht mit der Zeit? Julian schüttelt den Kopf. „Im Gegenteil“, sagt er „das sind genau die Zeitabstände, die man braucht, um sich vor Ort jeweils ganz auf die vielfältigen Aufgaben zu konzentrieren.“ Und konzentrieren muss man sich, wenn man sich wie er für dieses Studium entscheidet. Der Lehrplan ist alles andere als ein Spaziergang. Themen wie Avionik, Bionik und Konstruktionslehre lassen auch den Laien erahnen, dass hier nur die wirklich Guten eine Chance haben. Und in der Tat: Von 45 Kommilitoninnen und Kommilitonen aus dem ersten Semester hat inzwischen ein Drittel die Segel gestrichen.„Wenn du hier nicht alles gibst, geht's nicht“, kommentiert Julian Görner.

Begleitung durch Mentor

Das Lernpensum ist beachtlich: Das können schon mal 60 Stunden pro Woche werden. Und fünf Klausuren hintereinander in einer Woche steckt auch nicht jeder so einfach weg. Kein Wunder, dass man sich dann freut, wenn es wieder in den Betrieb und die praktische Arbeit geht. Als dualer Student durchläuft Julian alle Abteilungen bei Recaro Aircraft Seating, die inhaltlich zu seinem Studium passen und natürlich später zu seinem Beruf als Luft- und Raumfahrtingenieur - bis zum Bachelor sind es noch knapp anderthalb Jahre. Ein Mentor aus dem Unternehmen begleitet ihn auf seinem Weg, um Julian Görner den optimalen Karrierepfad zu ebnen.

Prototyp zum Anfassen

In seiner „Homebase“, so viel wie die Stamm-Abteilung, dreht sich alles rund um Business-Class-Sitze der Marke Recaro. Das ist dann mehr als nur Konstruktion oder Optimierung am Computermodell: Am Ende einer Weiterentwicklung wird der neue Prototyp gebaut. „Das ist natürlich toll. Ich modelliere nicht nur am Rechner, sondern kann das Ergebnis meiner Arbeit hinterher auch anfassen.“ Womit die Brücke zu Julians Studium geschlagen wäre, denn: In Fächern wie Technische Mechanik lernen die Studierenden, welche Einflüsse das Eigengewicht solcher Komponenten im Flugalltag hat, wie diese sich verhalten, wenn der Pilot den Vogel hochzieht oder ein Passagier sich mit seinen Ellbogen auf dem Klapptisch abstützt.

Stolz auf den Arbeitgeber

Heute begeistert Julian mehr als nur das Brüllen der Motoren und der Speed bei Autorennen. Wann immer das Recaro-Logo auf dem Bildschirm zu sehen ist, schwingt da Stolz mit. Oder wenn Freunde auf Flugreise gehen und er weiß: Die nehmen in unseren Sitzen Platz. Fehlt nur noch eins: Selbst geflogen ist der 21-Jährige noch nicht. Aber wer Luft- und Raumfahrttechnik studiert, fliegt ja andererseits auch nicht zwangsläufig zum Mond. Antonio De Mitri