Der Süden der GFL ist in dieser Saison immerhin vollständig besetzt, es treten also acht Teams an. Das war im Jahr 2025 nicht so. Damals gaben Anfang März die Kirchdorf Wildcats ihre Lizenz zurück. Daraufhin spielte der Süden nur mit sieben Teams. In diesem Jahr ist es nun der Norden, der nach dem Rückzug der Paderborn Dolphins zu siebt in die Runde geht, während sich im Süden acht Teams um die vier Playoff-Plätze rangeln.
Und auch wenn es sehr wahrscheinlich ein bis zwei Teams geben wird, die nicht um diese Plätze mitspielen werden können, sieht es dennoch nach einem harten Kampf aus. Die Schwäbisch Hall Unicorns bekommen es mit Gegnern zu tun, die nicht nur wie im Vorjahr auf Augenhöhe sind, sondern sich vermutlich sogar verbessern konnten.
Doch es geht nicht nur um die Playoffs, sondern auch gegen den Abstieg, denn: Die GFL wird sukzessive verkleinert. Und das heißt für die GFL Süd in der Saison 2026: Der Tabellenletzte, also der, der Achter wird, steigt direkt ab. Der Siebte spielt mit dem Tabellensiebten der GFL Nord einen weiteren Absteiger aus. Insofern liegt also auch im Abstiegskampf Brisanz. In der GFL Nord gibt es keinen Direktabsteiger, weil diese Staffel diesmal nur mit sieben Teams antritt.
• Munich Cowboys
Der Traditionsverein aus der bayerischen Landeshauptstadt hatte schwierige Zeiten. In den Jahren vor Corona war die Saisonbilanz immer negativ. Nach der Zwangspause gab es zwei starke Jahre (2021 und 2022), dann folgte wieder ein Rückschlag, da das Team einige Akteure an die ELF verlor. Doch der Trend geht wieder nach oben. In der abgelaufenen Runde hatten die Cowboys eine 6:6-Bilanz, genau wie die Wilddogs und die Unicorns. Aufgrund des Dreiervergleichs belegte das Team von Head Coach Christos Lambropoulos den zweiten Platz in der GFL Süd, schlug dann im Viertelfinale die Berlin Rebels, hatte im Halbfinale bei den Potsdam Royals aber keine Chance.
Das Jahr 2025 war also ein Erfolg für das Traditionsteam. In München hat man Lust auf weiteren Erfolg. Die Playoffs sind wieder das Ziel der Cowboys. Man möchte in einem Viertelfinale auch wieder Heimrecht haben.
Die Cowboys sind auf der Quarterback-Position durchaus ins Risiko gegangen. GerTeams einen ne nehmen US-Spielmacher, der bereits Europa-Erfahrung gesammelt hat, doch die Cowboys haben sich dazu entschlossen, einen jungen Spielmacher direkt aus den USA zu holen. Nicholas „Nick“ Semptimphelter kommt von der John Carroll University in Ohio. Der 25-Jährige führte 2025 die gesamte NCAA - aller Divisionen - mit einer Completion-Rate von rund 79 Prozent an. Mit anderen Worten: Er kann sehr präzise werfen. Zusammen mit anderen Verstärkungen, darunter D-Liner Joe Zanca, dessen Motto laut Cowboys-Homepage von keinem Geringeren als Johann Wolfgang von Goethe (Kophtisches Lied) stammt: „Du mußt herrschen und gewinnen, / Oder dienen und verlieren, / Leiden oder triumphieren, Amboß oder Hammer sein.“ Ein erster Fingerzeig, wo es mit den Cowboys im Jahr 2026 hingehen wird, ist bereits der Saisonauftakt, wenn die Schwäbisch Hall Unicorns zu Gast sind.
• Saarland Hurricanes
Die Hurricanes haben eine eher mäßige Saison 2025 hinter sich. Mit einer 4:8-Bilanz hat es nicht für die Playoffs gereicht. Also wurde einiges umgekrempelt, oder wie es Unicorns-Head-Coach Felix Brenner ausdrückt: „Die Hurricanes haben eine Metamorphose hinter sich.“ Mit Craig Kuligowski ist ein neuer Head Coach ins Saarland gekommen. Er war zuletzt Head Coach der Panthers Wroclaw in der ELF. Dazu kommen einige weitere neue Coaches und mit Norman Douglas Jr. auch ein neuer Quarterback. Der US-Amerikaner spielt schon seit einigen Jahren in Europa, war in Toulouse, Madrid, Prag und Köln, kennt also den europäischen Football gut.
Zuletzt gab es auch weniger gute Neuigkeiten aus dem Saarland: Zum einen mussten die Hurricanes ihre U20 aus der GFL Juniors wegen Personalmangels abmelden. Das ist insofern bemerkenswert, als die Hurricanes in der Vergangenheit eine gute Jugendarbeit hatten. 2013 wurde die damalige U19 Deutscher Meister.
Zudem mussten die Hurricanes kurzfristig ihre Heimstätte wechseln. Statt im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen wird nun (wieder) im Ellenfeld-Stadion in Neunkirchen gespielt. Dort haben die Hurricanes bereits zwischen 2016 und 2020 ihre Heimspiele ausgetragen. In Völklingen darf die Sitzplatztribüne aus bautechnischen Gründen nicht mehr genutzt werden. Das alles erfuhren die Hurricanes rund fünf Wochen vor dem Saisonauftakt. Das Ellenfeldstadion, erbaut 1912, ist die Heimat des Fußball-Bundesliga-Gründungsmitglieds Borussia Neunkirchen und steht unter Denkmalschutz. Einen besonderen Charme aber hat es. Das Magazin „11 Freunde“ wählte das Ellenfeld auf Rang 22 der schönsten (Fußball-)Stadien der Welt.
• Straubing Spiders
Ein Erfolg war die vergangene Saison für die Spinnen ganz sicher nicht. Lediglich dreimal konnten die Straubinger als Sieger den Platz verlassen. Deswegen erfolgt jetzt ein nahezu kompletter Neuaufbau. Head Coach Cody Kent blieb nur für eine Saison, ist jetzt in Italien bei den Legnano Frogs tätig. Dort arbeitet er mit dem Unicorns-Quarterback der vergangenen Saison, Josh Taylor, zusammen.
Neuer Head Coach der Spiders ist Bence Lukacs. Dieser kann einiges an Erfahrung vorweisen, hat unter anderem in der Vergangenheit bei den Vienna Vikings und den Cologne Crocodiles gecoacht. Er sieht seine neue Aufgabe als „Marathon“ an. „Wir müssen ein Programm aufbauen, das langfristig attraktiv für Spieler ist.“
In Straubing weiß man, dass das alles andere als einfach werden wird. Denn die Spiders haben durch den Aufstieg von Regensburg Phoenix Konkurrenz quasi vor der Haustür bekommen. Ein paar Spieler sind auch dorthin abgewandert.
Auch deshalb ist also fast alles neu. Das gilt auch für den Quarterback. Haben die Spiders in der vergangenen Saison noch auf einen deutschen Spielmacher gesetzt, gehen sie diesmal mit einem US-Amerikaner in die Saison. David Perlins spielte zuletzt bei den Prague Lions in der ELF. Er gilt als erfahrener Mann, der dem Team Sicherheit verleihen soll.
Einfach wird die Saison sehr wahrscheinlich nicht für die Spiders. Dessen ist sich auch der neue Head Coach bewusst. „Straubing hat aktuell niemand so richtig auf dem Schirm“, so Bence Lukacs. Das sieht man bei den Spiders als Chance an, die Liga positiv zu überraschen.
Allgäu Comets
Die Kometen aus Kempten waren in den Vorjahren häufiger ein starker Gegner der Unicorns. Das war in der vergangenen Saison nicht mehr so. Die Comets beendeten die Saison auf Rang 7 und damit auf dem letzten Platz in der GFL Süd. Da Kirchdorf kurz vor Saisonbeginn zurückgezogen hatte, blieb den Comets der Gang in die Abstiegsrelegation erspart. Elias Gniffke war einige Jahre Head Coach. „Er war das Gesicht des GFL-Teams“, formuliert es Unicorns-Head-Coach Felix Brenner. Elias Gniffke hat die Comets aber nun verlassen und verstärkt die Coaching-Crew bei den Raiders Tirol in Innsbruck.
Deshalb stehen auch in Kempten die Zeichen auf Neuanfang. Seit 2014 spielen die Comets ununterbrochen in der GFL, müssen sich jetzt aber neu erfinden. Neuer Head Coach ist der US-Amerikaner Mark Priegnitz, dessen Vorfahren aus der Gegend um Leipzig stammen. Der 61-Jährige hat zuletzt für drei Jahre die Ostrava Steelers trainiert und dabei zweimal das Finale um die tschechische Meisterschaft erreicht.
Mark Priegnitzs Sohn Beau ist 2026 ebenfalls Teil der Comets. Nach mehreren Stationen im US-College-Football, unter anderem an der Upper Iowa University sowie am Minnesota West Community College, kehrt Priegnitz nun aus dem Ruhestand zurück. „Mein Vater hat den HeadCoach-Job übernommen und ich wollte aus dem Ruhestand zurückkommen, um für ihn zu spielen“, so der 1997 geborene Linebacker.
Mit Brad Jones haben die Comets einen erfahrenen US-Amerikaner als Quarterback verpflichtet. Der 33-Jährige hat unter Mark Priegnitz in Ostrava gespielt, war in der vergangenen Runde Spielmacher bei den Cologne Crocodiles.
Mark Priegnitz geht optimistisch in sein erstes Jahr in Kempten. „Playoffs, absolut“, meint er zum Saisonziel. Sollten die Comets die Playoffs erreichen, wäre das ein großer Erfolg angesichts der enormen Umbrüche.
• Regensburg Phoenix
Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte sind die Oberpfälzer von Regensburg Phoenix in der höchsten deutschen Spielklasse dabei. 1997 gegründet, stieg der Verein nach und nach auf. 2022 gelang der Sprung in die GFL2, drei Jahre später stand Regensburg Phoenix als Aufsteiger in die GFL fest. Und dort will sich das Team etablieren.
Mit Head Coach Derreck Wilson ist der Aufstiegstrainer an Bord geblieben. Auch Quarterback Cameron Yowell trägt wieder das Phoenix-Trikot. Und noch ein Leistungsträger ist geblieben: Wide Receiver Nicolas Hayes. Viele Schlüsselpositionen bleiben also unverändert.
Ein paar Spieler kommen von den Straubing Spiders. Mit Marvin Biegert holte man zudem einen O-Liner, der mit Stuttgart Surge die ELF gewann und zuvor mit den Schwäbisch Hall Unicorns Deutscher Meister wurde.
So scheint Regensburg gut aufgestellt zu sein, um in der GFL Süd ordentlich mitspielen zu können. Verbesserungsfähig ist letztlich nur der Zuschauerzuspruch. Die städtische Sportanlage am Weinweg verfügt über nur 400 Sitzplätze. Bei Spielen in der GFL2 kamen im Schnitt knapp 500 Zuschauer. In der GFL sollen es mehr werden.
• Pforzheim Wilddogs
Der letztjährige Aufsteiger war das Überraschungsteam der Saison. Und vieles spricht dafür, dass sich die Wilddogs auch in der Saison 2026 im vorderen Bereich der Tabelle tummeln werden. „Man muss mit ihnen rechnen“, meint Unicorns-Head-Coach Felix Brenner.
Dre Harris wird auch in diesem Jahr als Quarterback der Wilddogs auflaufen. Die Coaching-Crew um Head Coach Michael Lang wurde verstärkt.
Gleiches gilt für den Kader: Die Wilddogs haben vom insolventen ELF-Champion Stuttgart Surge einige Spieler erhalten, aus Schwäbisch Hall wechselte Kerim Altunbas aus beruflichen Gründen nach Pforzheim. Die Wilddogs können und möchten vorne mitspielen. Da sie auf ein Testspiel während der Vorbereitung verzichtet haben, wird man erst beim Saisonauftakt in Regensburg sehen können, wie stark dieses Team ist.
Ravensburg Razorbacks
Der amtierende Meister der GFL Süd hat auch in diesem Jahr große Lust darauf, erfolgreich zu sein. Die Razorbacks wurden von der Stadt Ravensburg als „Mannschaft des Jahres 2025“ ausgezeichnet, und das völlig zu Recht. Sie entthronten nicht nur den Süd-Abonnementmeister aus Schwäbisch Hall, sondern schlugen im Playoff-Viertelfinale auch die Kiel Baltic Hurricanes. Im Halbfinale war dann bei den Dresden Monarchs Schluss, aber die Wildschweine (Razorbacks) leisteten erbitterten Widerstand, unterlagen nur mit 24:31.
Nicht umsonst gelten die Razorbacks als das „team to beat“, denn es sind alle Leistungsträger wieder dabei: Quarterback Broghean McGovern und Runningback Lennies McFerren wollen erneut für viele Punkte sorgen.
Kurios, aber auch sportlich wertvoll ist, dass die Ravensburg Razorbacks jetzt drei Ennekings im Kader haben, nämlich die Brüder Aidan, Jack und William, die aufgrund ihrer Großmutter die luxemburgische Staatsangehörigkeit besitzen.
Spiele der Schwäbisch Hall Unicorns
11. April. 16 Uhr UNICORNS - Calgary Gators (CAN) 14:28
18. April, 16 Uhr UNICORNS - Düsseldorf Panther 27:30
09. Mai, 16 Uhr Munich Cowboys - UNICORNS
16. Mai, 16 Uhr UNICORNS-Straubing Spiders
23. Mai, 16 Uhr Saarland Hurricanes - UNICORNS
30. Mai, 16 Uhr Berlin RebelsUNICORNS
13. Juni, 16 Uhr UNICORNS - Munich Cowboys
27. Juni, 16 Uhr UNICORNS - IFM Razorbacks Ravensburg
04. Juli, 16 Uhr Regensburg Phoenix - UNICORNS
18. Juli, 16 Uhr Pforzheim Wilddogs - UNICORNS
25. Juli, 16 Uhr UNICORNS - Allgäu Comets
01. August, 16 Uhr Straubing Spiders - UNICORNS
08. August, 16 Uhr UNICORNS - Kiel Baltic Hurricanes
29. August, 16 Uhr UNICORNS - Regensburg Phoenix
12./13. September mögliches Viertelfinale
19./20. September mögliches Halbfinale
03. Oktober GFL Bowl in Dresden