Das Aushängeschild der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Gastronomie, Hall (BESH) ist volljährig geworden. Am 26. Oktober 2007 - also vor ziemlich genau 18 Jahren - eröffnete der Regionalmarkt Hohenlohe in Wolpertshausen. 950 Quadratmeter Verkaufsfläche mit mehreren tausend Artikeln, angeschlossener Bäcker, Blumenladen und Bankautomaten: Die Einweihung war für die kleine 2000-Einwohner-Gemeinde in Sachen Nahversorgung damals ein Quantensprung. Zum Zeitpunkt der Regionalmarkt-Eröffnung hatte Wolpertshausen schon seit zehn Jahren keinen Lebensmittelladen mehr.
Doch auch Kunden aus umliegenden und sogar weiter entfernten Kommunen zieht der Regionalmarkt bis heute an - viele aus einem bestimmten Grund. Man kann dort nämlich auch sonntags einkaufen, auch wenn die BESH den Sonntag am Regionalmarkt-Eingang, auf dessen Homepage sowie auf Flyern offiziell nur als „Schautag“ ausweist.
Fast in Vergessenheit geraten ist mittlerweile, dass der Sonntag als Verkaufstag einst auf der Kippe stand. Das Haller Landratsamt hatte im April 2011 gegen BESH-Gründer Rudolf Bühler einen Bußgeldbescheid über 1000 Euro erlassen. Es ging um verbotenen Warenverkauf an den Schau-Sonntagen, an denen eigentlich nur „schauen“, nicht aber kaufen erlaubt sein soll. Ein Konkurrent aus Bietigheim-Bissingen hatte Bühler angezeigt.
Amtsgericht entscheidet

Doch der Landwirt aus Wolpertshausen, seit jeher für seine Schlitzohrigkeit bekannt, legte Einspruch ein. Er berief sich darauf, dass er auf dem Parkplatz vor dem Regionalmarkt eine Solartankstelle für Elektrofahrzeuge betreibt. Wie andere Tankstellen auch dürfe sie an Sonntagen Reiseproviant abgeben. Der Begriff Reiseproviant sei weit zu fassen, man müsse sich nur in anderen Tankstellen umsehen, sagte Bühler damals. Das Landratsamt blieb jedoch zunächst bei seiner Auffassung: Der Gebäudekomplex mit dem großen Regionalmarkt und der kleinen E-Ladestelle entspreche nicht dem, was normalerweise unter einer Tankstelle verstanden werde.
Der Fall landete schließlich vor dem Haller Amtsgericht. Richterin Nicole Reichstädter nahm die Stromtankstelle im Frühjahr 2012 im Beisein des Haller Tagblatts in Augenschein, eine Abordnung des Gerichts inspizierte den Regionalmarkt. Im Sommer 2012 folgte der richterliche Beschluss: Der Regionalmarkt darf sonntags weiter öffnen und Waren des Reisebedarfs verkaufen, entschied Nicole Reichstädter.
Gesetzlich definiert
Was unter Reisebedarf zu verstehen ist, steht in Paragraf 2 des Bundesladenschlussgesetzes: „Zeitungen, Zeitschriften, Straßenkarten, Stadtpläne, Reiselektüre, Schreibmaterialien, Tabakwaren, Schnittblumen, Reisetoilettenartikel, Filme, Tonträger, Bedarf für Reiseapotheken, Reiseandenken und Spielzeug geringeren Wertes, Lebens- und Genussmittel in kleineren Mengen sowie ausländische Geldsorten.“ Genauer definiert wird „Reisebedarf“ juristisch nicht. Dass man im Regionalmarkt ohne Einschränkungen auch sonntags das komplette Sortiment kaufen kann, scheint vom Gesetz also gedeckt zu sein.
Lediglich die Fleischtheke bleibt sonntags geschlossen, ebenso der Gemüsebereich. „So ist es mit dem Landratsamt abgestimmt“, teilt Rudolf Bühler diese Woche mit. Wie sieht er die Sache mit dem Reiseproviant heute? Das Konzept des Regionalmarkts sei „eine Plattform für die heimischen Bürger als auch für Reisende, welche von der A6 herunterkommen“, so Bühler. Im Jahr 2024 sei der Regionalmarkt vom Verlag. „DIE WELT“ zu einem der zehn besten Europas ausgezeichnet worden (siehe Infokasten). „Dies auch wegen des ganzheitlichen Konzepts mit regionaler Gastronomie, bäuerliche Markthalle mit den Erzeugnissen der Region - jeder Erzeuger kann hier seine Waren anbieten - sowie bäuerlichem Schulgarten mit grünem Klassenzimmer, Spielplatz, Gartenmarkt.“
Die Elektrotankstelle am Regionalmarkt bezeichnet der BESH-Gründer als „vorbildlich für diese Zeit vor 18 Jahren“. Schließlich steckte die Elektromobilität damals noch in den Kinderschuhen. Mittlerweile wurden in unmittelbarer Nachbarschaft eine Total-Tankstelle sowie auch eine Fastned-Elektrotankstelle mit 16 Ladestationen gebaut. Bühler stellt klar: „In allen Tankstellen, bundesweit wie europaweit, gibt es Reiseproviant zu kaufen, so auch im Regionalmarkt Hohenlohe.“
Ist die Kundenfrequenz hoch genug, damit sich die Sonntagsöffnungszeit des Regionalmarkts für die BESH überhaupt lohnt? „Es geht hier nicht darum, ob es sich lohnt oder nicht“, antwortet Bühler. „Der Regionalmarkt Hohenlohe mit all seinen Bereichen ist ein Treffpunkt der heimischen Bevölkerung, ein Platz des Austauschs und Begegnung, ländliche Kultur und Soziales wie die Versorgung unserer heimischen Bevölkerung stehen hier im Fokus. Die Kundenfrequenz ist angemessen, die Gastronomie Mohrenköpfle ist stets voll belegt.“ Gottfried Mahling
Unter den besten Raststätten Europas
Die Tageszeitung „DIE WELT“ kürte den Regionalmarkt Hohenlohe letztes Jahr zu einer der zehn besten Autobahn-Raststätten Europas. Die Zeitung schreibt: In Deutschland findet sich direkt an der Autobahn praktisch nur noch Fastfood. Aber manchmal reicht es, weniger als einen Kilometer abzufahren. Zum Beispiel an der A6 zwischen Heilbronn und Nürnberg, Ausfahrt Ilshofen/Wolpertshausen. Dort betreibt die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall den Regionalmarkt Hohenlohe mit Wurst, Käse und anderen Spezialitäten in Bioqualität. Angeschlossen ist das Restaurant Mohrenköpfle-Gastronomie mit Biergarten, in dem genau die gleichen Zutaten auf den Tisch kommen. „Mohrenköpfle ist übrigens der lokale Schweinetyp. Die Tiere heißen so, weil sie schwarze Köpfe haben. Die Küche ist von 8 bis 22 Uhr geöffnet, bis 11 Uhr gibt es Frühstück, nachmittags Kuchen aus der eigenen Konditorei.“
Die neun anderen ausgezeichneten Raststätten: Irschenberg Süd an der A8, Jägerheim-Lohne an der A1 (beide Deutschland), das Landzeit Mondsee an der A1 (Österreich), die Gotthard-Raststätte an der A2 (Schweiz), die Raststätte Lanz Brenner an der A22, Eataly Autogrill Secchia Ovest an der A1 (beide Italien), Aire du Viaduc de Millau an der A75, Aire de Jugy an der A6 (beide Frankreich) und Motorest U rybicek an der E50 (Tschechien).
Grußwort von Jürgen Silberzahn
„Wichtige Fortschritte“

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
ein ereignisreiches und prägendes Jahr liegt hinter uns. Auch 2025 konnten wir in Wolpertshausen zahlreiche Projekte erfolgreich voranbringen und damit wichtige Schritte für die Zukunft unserer Gemeinde gehen.
Im Baugebiet Herrenweg haben die ersten Arbeiten begonnen - ein sichtbarer Startschuss für neues Wohnen in Wolpertshausen und ein Zeichen dafür, dass unsere Gemeinde weiterhin attraktiv für Familien bleibt. Zugleich konnte im Baugebiet„Lederer“ der Endausbau der Straße abgeschlossen werden und sorgt dort nun für eine hochwertige Erschließung.
Ein besonderes Highlight in diesem Jahr war das 50-jährige Jubiläum unserer Kindertagesstätte. Seit einem halben Jahrhundert steht sie für zuverlässige Betreuung, wertvolle pädagogische Arbeit und ein Herz für unsere Jüngsten. Passend zum Jubiläum wurden auch die Außenbereiche weiterentwickelt: Die Vergrößerung des Kita-Spielplatzes sowie eine neu geschaffene Ruhezone zwischen Kindergarten und Grundschule verbessern das Miteinander und schaffen mehr Freiraum für Spielen und Erholen. Zusätzlich bereichert der neue Spielplatz im Schulhof das Schulgelände und wird von den Kindern begeistert angenommen.
Im Bereich der Infrastruktur konnten wir ebenfalls wichtige Fortschritte erzielen. Die weißen Flecken beim Breitband wurden geschlossen - die Teilorte Haßfelden, Hörlebach, Hohenberg, Rudelsdorf sowie Teile des Gewerbegebiets sind nun zuverlässig an das schnelle Internet angeschlossen. Damit stärken wir sowohl die Lebensqualität als auch den Wirtschaftsstandort Wolpertshausen spürbar.
Für unsere Einsatzkräfte und Mitarbeiter/innen gab es ebenfalls wertvolle Verbesserungen: Die Feuerwehr wurde mit Digitalfunk ausgestattet, was die Kommunikation und Einsatzfähigkeit entscheidend modernisiert. Zudem konnte der Bauhof seinen Fuhrpark sinnvoll erweitern und arbeitet nun mit zwei neuen Fahrzeugen, die die tägliche Arbeit effizienter und verlässlicher machen.
Auch überregional war es ein bedeutendes Jahr: Die Bundestagswahl hat wichtige Weichen für unser Land gestellt. Als Gemeinde werden wir die Entwicklungen aufmerksam begleiten und weiterhin eine stabile, zuverlässige kommunale Arbeit leisten. All diese Fortschritte zeigen, dass Wolpertshausen lebendig bleibt und sich stetig weiterentwickelt. Mein Dank gilt allen, die dazu beitragen - ob im Ehrenamt, in Vereinen, im Beruf oder im privaten Engagement.
Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien eine besinnliche Advents- und Weihnachtszeit sowie ein gutes, gesundes und friedliches neues Jahr.
Ihr Jürgen Silberzahn Bürgermeister
Ländlich geprägt
2365 Einwohner hatte die Gemeinde Wolpertshausen laut Statistischem Landesamt Ende 2024. Zur Kommune gehören neben dem Hauptort Wolpertshausen weitere zehn Siedlungen: Cröffelbach, Haßfelden, Hörlebach, Hohenberg, Hopfach, Reinsberg, Rudelsdorf, Unterscheffach, Heide und Landturm. Nicht nur in Sachen Einwohnerzahl, sondern auch von der Fläche gehört Wolpertshausen zu den kleinsten Gemeinden im Landkreis. Die 27,42 Quadratkilometer große Gemarkung ist von Landwirtschaft, A6 und Bühlertal geprägt.