Zu einem perfekten Start in den Tag gehört für die 4b der Tübinger Aischbachschule seit kurzem auch: das SCHWÄBISCHE TAGBLATT. Was gibt es Neues? Stimmen die Fakten? Und kann das überhaupt sein? Dank des Projekts „Zeitung in der Schule“ (ZISCH) bekamen die Kinder seit November das TAGBLATT geliefert und vertieften sich regelrecht ins aktuelle Geschehen. In der Pause wollten sie mit ihrer Lehrerin plötzlich über Politik reden. Und auch zu Hause schnappten sich die Nachwuchsreporter immer öfter die Zeitung. Eine Frage der Eltern an Lehrerin Doro Holzer war schließlich: „Wie haben Sie das hinbekommen?“



Aber nicht nur die Aischbachkinder zogen in dieser ZISCH-Runde los, um zu prüfen: Was steckt dahinter? 25 Klassen waren wieder unterwegs, darunter viele Dritt- und Viertklässler, aber auch Oberstufenschülerinnen und -schüler. Sie blickten hinter die Kulissen des Landestheaters (LTT) und interviewten Hundetrainerinnen. Sie fragten: Welche Songs sind am beliebtesten? Welche Spiele besonders clever? Wichtig dabei war immer auch das Warum. Denn irgendetwas behaupten kann jede und jeder. Erst durch Argumentieren und Belegen bekommt das Gesagte Gewicht und hebt sich ab von Fake-News.
Im September 2024 forderte der Landesschülerrat den aus seiner Sicht veralteten Deutschunterricht zu modernisieren. Seine Empfehlung: Weniger weltfremde Gedichtanalysen, dafür mehr argumentatives Schreiben. Ein halbes Jahr zuvor hatte sich das Schülergremium bereits mehr Demokratiebildung im Unterricht gewünscht. Beide Forderungen lassen sich nur umsetzen, wenn man gut informiert ist.
Am Anfang steht also Recherche. Was wer auf dem Pausenbrot hat, konnte in der Schule herausgefunden werden, die Spielplatztester hingegen kamen ganz schön herum. Die Achtklässler der Freien Evangelischen Schule fanden dabei nicht nur heraus, wo das beste Klettergerüst steht und welcher Platz an regnerischen Tagen aussieht, als sei „die Sintflut gekommen“. Beim Nachhaken, wieso gerade der Ofterdinger Abenteuerspielplatz bei allen so gut ankommt, erfuhren sie: Vor dessen Planung wurden Kinder gefragt.
Auch die 6b des Tübinger Wildermuth-Gymnasiums machte eine verblüffende Entdeckung. Sie ist eine der Klassen, für die die Stadtwerke Tübingen wieder einmal Türen öffneten. Die Klasse lernte das Hallenbad Nord von einer völlig neuen Seite kennen, nämlich von unten. Besonders modern kam ihnen das „Zitronenbad“ da nicht vor, „alles sah ziemlich alt aus“, was nach 50 Jahren nicht wirklich wundert. Neben vielen Fakten erfuhren die ZISCH-Reporter bei ihrem Besuch auch, wie man ein Becken putzt, ohne das Wasser abzulassen. Und dass beinahe mal ein Gast mit Straßenkleidung ins Wasser gesprungen wäre.
Wir vom ZISCH-Team bedanken uns wieder sehr herzlich bei den Stadtwerken und der Reinhold Beitlich Stiftung für die tolle Unterstützung! Danke auch an die Lehrkräfte fürs Begleiten und Zuarbeiten. Ohne sie wäre ZISCH nicht möglich.
Dass das Projekt auch mit Erscheinen der Berichte, Fotos und Zeichnungen nicht ganz vorbei ist, zeigt eine Erfahrung, die die Aischbachschüler machen dürfen. „ZISCH wirkt weiter“, sagt Lehrerin Holzer. Im Juli sind die Kinder zum Theaterworkshop ins LTT eingeladen, ihre Parallelklasse dürfen sie mitbringen.
Christine Laudenbach
und Simone Maier