Sonderveröffentlichung

Söflingen und der Ulmer Westen Ulmer Gärtnereien: Aus Söflinger Erde

Söflinger Gewächse: Rettiche und Zwiebeln aus dem Stadtteil sind bekannt. Hintergrund ist die lange Söflinger Gärtnerei-Tradition.

FOTO: ©MARAZE/ SHUTTERSTOCK.COM

9.08.2021

„Was heute Maschinen erledigen, machte er noch von Hand; jedes Samenkorn für einen Rettich stupfte er einzeln in die fruchtbare Blautalerde“, schreibt die Söflinger Chronik über den Gärtner Josef Nolle. Barbara Schäuffelen beschreibt in dem Kapitel „Söflinger Gewächse“ den Alltag von Josef und Hedwig Nolle. Das Ehepaar hatte sich einem typischen Söflinger Erwerbszweig, der Gärtnerei, gewidmet.

Söflinger Rettich ist legendär

Natürlich wird in der Chronik auch ein Satz über den Rettich verloren. Der Söflinger Rettich ist legendär. Noch heute wird die scharfe Wurzel auf Söflinger Festen verzehrt. Ansonsten ist der Rettich-Anbau aber ebenso zurückgegangen wie die Zahl der Gärtner. „Junge Leute essen lieber Radieschen. Vorwiegend die Älteren mögen aber noch Butterbrot und einen Rettich zum Vesper wie früher – so, wie es die Rettiche noch auf den Söflinger Festen gibt“, weiß Wilhelm Reichardt von der gleichnamigen Gärtnerei.

Das bestätigt auch die Söflinger Gärtnerfamilie Stollmaier: „Die jungen Leute brauchen keine Rettiche mehr“, unterstreicht Rita Stollmaier und blickt auf eine Zeit zurück, als der Rettich noch fester Bestandteil des Vespers war: „Mein Schwiegervater Anton Stollmaier hat 1950 den Grundstein für unsere Gärtnerei hier am Türmle gelegt. Sein Schwerpunkt war neben anderem Gemüse der Söflinger Rettich. Wenn Vesperzeit war, ist er zu Magirus in die Blaubeurer Straße gefahren und hat dort am Tor seine Rettiche an die Arbeiter verkauft.“ Doch die Nachfrage sank stetig, berichtet Rita Stollmaier: „Als wir 1986 die Gärtnerei übernommen haben, spürten wir den Wandel und stellten irgendwann den Anbau von Rettich ein.“ Petra Starzmann

Mild und zart: die Söflinger Zwiebel

Eine lange Tradition in dem Ulmer Stadtteil hat auch die Söflinger Zwiebel, die heute noch beliebt ist. Daher findet sich die blaue Zwiebel an Marktständen in der Region als „Söflinger Zwiebel“ oder „Ulmer Rote“. Die Gärtnereien Stollmaier und Reichhardt ziehen die Zwiebeln selbst aus Samen.

Dafür heben die Gärtner die größten Zwiebeln auf und stecken diese im Folgejahr im März. Diese blühen und setzen Samen an. Die Samen werden getrocknet und im Folgejahr ausgesät. Geerntet wird im August, September. Das Prozedere erstreckt sich also über drei Jahre. Die Söflinger Zwiebel beschreiben Rita Stollmaier und Tanja Reichhardt ihren Kunden als „rote, milde, zarte Zwiebel – die auch nicht färbt und deshalb eine sehr gute Salatzwiebel ist.“