Wer von euch hat das Hallenbad Nord schon einmal von unten gesehen? Am Morgen des 23. Januars traf sich die Klasse 6b des Tübinger Wildermuth-Gymnasiums mit Stephanie Wenzelburger. Sie ist nicht nur Fachangestellte für Bäderbetriebe, sondern auch Meisterin und die Leiterin des Hallenbads Nord. Nachdem wir vor dem Hallenbad ein Klassenfoto gemacht hatten, gingen wir mit Wenzelburger und in Begleitung von Katharina Brielmann, von den Stadtwerken Tübingen zu unserem Erstaunen nicht in die Eingangshalle und zu den Schwimmbecken, sondern durch einen separaten Eingang in das „unterirdische Labyrinth“ des Hallenbades. Dort war es ziemlich heiß und stickig und wir waren von Rohren umgeben. Überall blinkten kleine Lichter und wir hörten das Rauschen der Geräte. Unterirdisch gingen wir als Erstes um das Lehrschwimmbecken, dessen Bodentiefe sich praktischerweise verstellen lässt, herum. Das Hallenbad war von unten nicht wiederzuerkennen!


Alles sah ziemlich alt aus, das Hallenbad ist ja schon 50 Jahre alt. Früher gab es das Problem, dass die Filter durch Haare und Dreck der Besucher verstopft wurden, weshalb Badekappenpflicht galt. Heutzutage gibt es die Badekappenpflicht nicht mehr, weil die Filter viel leistungsstärker geworden sind. Wir gingen zu seltsam leuchtenden Geräten und die Leiterin des Hallenbades erklärte uns, dass damit der PH-Wert und der Chlorgehalt im Schwimmbecken gemessen wird. Es gab aber nicht nur die großen leuchtenden Geräte, sondern auch ein kleineres Messgerät, das genauer misst und überprüft, ob die großen Geräte genau sind. Dafür füllt man ein Reagenzglas mit Wasser aus einem der Schwimmbecken, wirft eine Tablette hinein und wartet bis sich diese auflöst. Wir erfuhren, dass, je dunkler sich das Wasser färbt, desto mehr Chlor im Wasser sei. Das Chlor dafür wird übrigens im Hallenbad selbst hergestellt. Später liefen wir noch an großen Kanistern mit Säure vorbei, bei denen Wenzelburger uns ermahnte, sie nicht anzufassen. Die Säure in den Kanistern ist übrigens dafür da, das Wasser nochmal zusätzlich zu säubern, damit es hundertprozentig sauber ist.
Danach war Zeit für eine Fragerunde. Wir wissen jetzt, dass das große Sportbecken gerade mal 26 bis 27 Grad warm ist und dass in das Schwimmerbecken 980.000 Liter Wasser passen - die Badleiterin erklärte das sehr anschaulich anhand einer 1-Liter-Milchpackung, davon werden jede Nacht zirka 38.000 Liter ausgetauscht. Das Lehrbecken dagegen ist 28 bis 29 Grad warm und fasst 420.000 Liter, wovon zirka 16.000 gewechselt werden. Das Babybecken ist 0,30 Meter tief und mit 32 bis 33 Grad am wärmsten.
Wenzelburger klärte uns auf, wie das Wasser mit einem Riesenstaubsauger, der eigentlich Beckensauger heißt, jeden Abend gereinigt wird, weil ein Flockungsmittel zusätzlichen Schmutz absinken lässt. In den Sommerferien wird das ganze Wasser aus den Becken gesaugt und, bevor die Leute wieder baden wollen, von Hand gereinigt. Das Sport- und Schwimmerbecken braucht anschließend wieder drei Tage, um ganz voll zu laufen! Täglich kommen etwa 700 bis 1000 Besucher und verbrauchen allein durch das Duschen etwa 12.000 Liter Wasser pro Tag. Spitzenreiter bei den Besucherzahlen ist jedes Jahr der Dezember, letztes Jahr mit 18.963 Besuchern. Der Eintritt kostet extra wenig, damit auch Menschen mit wenig Geld baden gehen können. Das Hallenbad Nord hat bei seinem Bau 4,2 Mio. D-Mark gekostet, es bekam den Spitznamen „Zitronenbad“, da sehr viel ursprünglich Geplantes gestrichen wurde.
Wenzelburger erzählte auch, wie sie zur Bademeisterin geworden ist. Sie habe auf den Tipp eines Nachbarn hin die dreijährige Ausbildung gemacht, Teile davon, beispielsweise die Schwimmprüfung, würden jedes Jahr wiederholt. Ihre Frühschicht beginne um 5.30 Uhr, aber sie müsse schon um 4.30 Uhr aufstehen und zum Hallenbad fahren.
Es gebe 28 Mitarbeiter und 4 Aushilfen. Sie zeigte uns auch ihr persönliches Highlight: ein Fenster, von dem aus man von unten das Sportbecken beobachten kann.
Auf unsere Nachfragen hin waren wir wirklich froh, dass noch nie jemand im Hallenbad gestorben ist, und sehr belustigt darüber, als sie erzählte, dass sich eine Person in der Umkleidekabine schon einmal die Haare geschnitten habe und dass eine Person schon einmal beinahe mit Straßenkleidung ins Schwimmbecken gegangen sei, da sie es selbst nicht bemerkt habe. Am Ende der Führung durften wir auch einen Blick in den Fundsachenraum werfen. Dort müssen die Fundsachen mindestens ein halbes Jahr lang lagern.
Ehe wir es uns versahen, war die Führung auch schon zu Ende. Wir hätten gerne noch viel mehr erfahren. Wir verabschiedeten uns von Wenzelburger und Brielmann, sie gaben uns zum Abschied noch Blöcke und eine Freikarte für die Tübinger Bäder. Gemeinsam fuhren wir dann mit dem Bus zurück zur Schule und schrieben fleißig an unseren Artikeln.