Sonderveröffentlichung

Weihnachts- und Neujahrsglückwünsche Von Ankunftszeit bis zum Zeitfresser

Was ist eigentlich die "Zeit", von der alle zu wenig haben? In der Städtischen Galerie in Ehingen kann man Zeitsprünge machen und beim Lustwandeln durch die Ausstellung "Zeit" jedes Zeitgefühl verlieren. Von Christina Kirsch

Fotos: Christina Kirsch

02.01.2025

„Nimm Dir Zeit“: Das sagt sich so leicht. Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit ist die Zeit so knapp. Hier noch Geschenke kaufen, dort Zutatenlisten studieren, Weihnachtskarten schreiben und auf den letzten Drücker werden es wie alle Jahre zuvor doch noch ein paar Gutscheine. 

Viele verschenken dann „Zeit“, weil die als so wertvoll gilt und alle viel zu wenig davon haben. Irgendwie bleibt nie Zeit, um einmal inne zu halten. Woher soll man sich die Zeit auch nehmen? Man könnte zum Beispiel in die Städtische Galerie in Ehingen gehen. Dort steht ein Kasten mit einem Schild „Nimm Dir Zeit“. Und man darf tatsächlich zugreifen. Es ist keine gestohlene Zeit, die man da entwendet, sondern tatsächlich geschenkte Zeit. 

Unternehmen aus der Region

„Zeit“ ist der Titel der Offenen Ausstellung, die ganz zeitgemäß über Weihnachten und den Jahreswechsel ein drängendes Thema dieser Zeit behandelt. Mitgemacht haben Schulklassen, Kindergärten, Einzelpersonen und Gruppen. Fast alle Ausstellende sind Hobbykünstler. 230 Arbeiten sind so zusammengekommen. Und so streift man über drei Stockwerke von der Steinzeit zur Lebenszeit, erlebt die Jahreszeit und geht mit den Gezeiten. Zur Halbzeit hat man jedes Zeitgefühl verloren. Die Künstlerinnen und Künstler haben sich intensiv mit der Zeit beschäftigt. Und für manche Arbeiten haben sie richtig Zeit investiert. In einer Collage sieht man, wie mit der Zeit das Klima leidet und Gletscher abschmelzen. 

Unternehmen aus der Region

Auch Zeitdiebe hängen an den Wänden und glotzen einen an. Man möchte ihnen die gestohlene Zeit sofort wieder wegnehmen. Auf einem Bild rinnt die Zeit wie Honig zäh von Löffel zu Löffel. Eine Vesperdose sieht aus, als ob sie in den Ferien aus den Tiefen eines Schulranzens gefischt worden wäre. Ein vertrockneter Apfelbutzen klebt noch am Deckel. Er hat schon bessere Zeiten gesehen. Ausgesprochene Zeitzeugen sind die Spindeln der ehemaligen Ehinger Spinnerei Adolff. Eine ehemalige Beschäftigte hat bei der Abwicklung der Spinnerei die Werksuhr aus dem Schrottcontainer gezogen und aufbewahrt. 1991 wurde das Ende der „Spinne“, wie sie im Volksmund hieß, eingeläutet. 

Wie doch die Zeit vergeht! Sie rinnt uns durch die Finger, die Zeit. In der Ausstellung rinnt sie durch Sanduhren und treibt analoge Zeiger an. Kinder haben eine Zeitmaschine konstruiert und eine Zeichnerin ungeheuer viel Zeit investiert, um mit Kohle eine runzelig alte und eine babyweiche junge Hand zu zeichnen. Einige Texte an den jeweiligen Arbeiten erklären die Entstehungsgeschichte der Werke. So hat jemand den Bindestrich zwischen zwei Jahreszahlen auf einem Grabstein fotografiert. 

Auch so lässt sich Zeit darstellen. Und ohne Erklärung würde man die Idee dahinter nicht verstehen. Man darf in der Ausstellung aber nicht nur schauen, sondern kann auch selber aktiv werden. In einem separaten Zimmer haben die Kuratoren Anne Linder und Volker Sonntag einen „Zeitstrudelraum“ eingerichtet. Dort kann man sich vor den Wandbildern mit den Strudeln selber fotografieren und erhält den Fotoabzug auf Thermopapier. So wird zwar ein Moment festgehalten, der verblasst aber mit der Zeit. Man könnte sich demnächst mal ein bisschen Zeit nehmen und mit der Zeit gehen. Füreinander und für die Städtische Galerie.

Öffnungszeiten

„Zeit“ Offene Ausstellung der Kunstfreunde Ehingen, Städtische Galerie Ehingen, Dauer bis 09.02.2025,
Öffnungszeiten
Mi, Sa, So 14:00 - 17:00 Uhr,
24., 25. Und 31. Dezember geschlossen,
26. Dezember und 1. Januar geöffnet, Eintritt frei