
Mit der Schlagzeile: „Biberach boomt a bissle“ der Stuttgarter Zeitung von 2019 sei nach wie vor etwas dran, meint Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Das zeigen allein die beiden Meilensteine, die die Oberschwäbische Mittelstadt im vergangenen Jahr geknackt hat und die Zeidler als „Schallmauern“ betitelt: Biberach ist inzwischen Heimat für über 35.000 Einwohner. Über 30.000 Menschen arbeiten in der Stadt 2015 waren es noch rund 26.000 Menschen. Bis 2040 soll die Bevölkerung in Stadt und Landkreis weiter deutlich wachsen.
Dabei sei dies nicht selbstverständlich. „Wir sind umzingelt von Oberzentren“, sagt Zeidler: Ulm und Neu-Ulm im Norden, Memmingen im Westen und die Städte der Bodenseeregion im Süden. „Deswegen muss das kleine gallische Dorf ab und zu die Finger etwas nach oben strecken.“
Biberach tut das aus einer Position der wirtschaftlichen Stärke: Seit 2006 ist die Stadt schuldenfrei, der einzelhandelsrelevante Kaufkraftindex liegt bei 109,6 Punkten und damit deutlich über dem baden-württembergischen Durchschnitt von 105 Punkten.
Entsprechend kann sich Biberach auch etwas leisten: Bei der Grundsteuer B, also der für baulich genutzte Grundstücke, verlangt Biberach mit 275 Prozent einen der niedrigsten Hebesätze der Republik. „Wir prosperieren, wir entwickeln uns auch an unseren Rändern“, fasst Oberbürgermeister Zeidler die Lage seiner Stadt zusammen.
Woher der Wohlstand kommt, ist klar: „Der Segen kommt vor allem von unseren Betrieben.“ Boehringer Ingelheim betreibt seinen größten Entwicklungsstandort in Biberach. Über 90 Prozent der Gewerbesteuer kommen aus dem Pharmasektor, sagt Zeidler.
Oberbürgermeister
Auch die Zukunft für den Standort sieht rosig aus: Allein die Unternehmen Handtmann, Liebherr und Boehringer Ingelheim hätten bereits Investitionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro zugesagt, freut sich Zeidler.„Man glaubt an unseren Standort Biberach.“ Das sei eine besondere Situation.
Das Wachstum der Stadt führt natürlich auch zu manchen Schwierigkeiten. „Wir bezeichnen das immer als Wachstumsschmerzen“, sagt der Oberbürgermeister: „Wir haben einen relativ starken Druck auf die öffentlichen Einrichtungen.“ Mehr als 30 Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen Jahren in die Kindergärten gesteckt, die Schulen werden aktuell saniert. „Das sind lauter Gebäude aus den 1960er- und 1970er-Jahren“, erklärt Zeidler. Die hätten eine Sanierung dringend nötig.
Auch auf den Wohnungsmarkt wirkt sich der Boom aus. Die Stadt begegnete dem mit fünf neu ausgewiesenen Baugebieten in den letzten fünf Jahren. Auch der Verkehr ist ein großes Thema: 22.000 Einpendler verzeichnet Biberach jeden Werktag.„Wir haben die verkehrsungünstige Situation, dass wir zwei Bundesstraßen haben, die mitten durch unsere Stadt laufen“, sagt Zeidler. Durch die neue Nordwestumfahrung wurde die Situation bereits entschärft. Einzig der Aufstieg zur B30 fehlt noch. „Das ist das Nadelöhr, das noch geflickt werden muss.“
Im ÖPNV sei die Regio-S-Bahn Donau/Iller ein „Meilenstein“, sagt OB Zeidler: „Hier kämpfen wir für einen Bahnhalt in Biberach-Nord.“ Auch das Bahnhofsareal, an dem sich auch der Zentrale Omnibusbahnhof befindet, soll neu gestaltet werden. Aktuell sei dieser Verkehrsknotenpunkt überlastet und tauge auch nicht als Visitenkarte der Stadt. Der Bahnhof selbst soll bis 2028 durch die Bahn saniert werden. „Der hat das auch dringend nötig“, sagt Zeidler.
Für das Umfeld ist dann die Stadt verantwortlich. Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie Infrastruktur für Car- und Bikesharing sollen geschaffen werden. Bevor das alles passieren kann, muss allerdings ein Problem gelöst werden, das sich Biberach unter anderem mit der Landeshauptstadt Stuttgart teilt: Aufgrund eines Gesetzes der inzwischen zerbrochenen Ampelregierung darf die Bahn aktuell keine Liegenschaften verkaufen - also auch nicht Grundstücke im Biberacher Bahnhofsareal, die die Stadt für ihre Pläne benötigt. Man befinde sich aber in Verhandlungen, um dieses Problem zu lösen, sagt der OB.
Jährlich steckt die Stadt 5 Millionen Euro in den öffentlichen Nahverkehr. „Unser Stadtlinienverkehr ist eine Erfolgsgeschichte“, meint Zeidler. Verbesserungspotenzial sieht er dennoch:„Wünschenswert wäre sicherlich, wenn die Gemeinden um uns herum eine ähnliche ÖPNV-Vertaktung hätten.“
Biberach ist nicht nur Wirtschaftssondern auch Hochschulstandort - wobei das durchaus miteinander zusammenhängt. Im Innovations- und Technologietransferzentrum (ITZ) Plus ist neben der Hochschule Biberach auch eine Außenstelle des Fraunhofer-Institut für Grenztechniken und Bioverfahrenstechnik (IGB) vertreten. Das Fraunhofer-Institut forscht in Biberach an virusbasierten Therapien gegen Krebs und genetische Erkrankungen. „Das hängt sehr eng mit der Standortnähe zu Boehringer zusammen“, erklärt Zeidler.
Auch die Hochschule der Polizei ist inzwischen in Biberach vertreten: Aus der Bereitschaftspolizei wurde 2013 das „Institut für Ausbildung und Training“. Neben dem positiven Einfluss auf die Wirtschaft verschaffen die Hochschulen Biberach auch „ein gewisses studentisches Flair“, meint der OB.
Zeidler sagt aber auch: „Es ist nicht gottgegeben, dass wir Hochschulstandort sind.“ Die Stadt bemühe sich daher um eine enge Zusammenarbeit mit den Bildungsträgern.„Wir müssen immer etwas tun, um die Hochschule zu erhalten.“
Oberbürgermeister
Auch der Handel in der Innenstadt lebe und gedeihe. Grund hierfür sei insbesondere ein sehr guter Mix an Geschäften. Mit der Werbegemeinschaft und dem biber Card-Verein gebe es außerdem gleich zwei Vereine, die sich um eine lebendige Innenstadt bemühen. „Die sind beide sehr, sehr rührig“, lobt der Oberbürgermeister. Unter den Veranstaltungen und Aktionen gebe es „ein paar richtige Juwelen“, wie etwa den Musikfrühling oder den Christkindlesmarkt. Auch die gute Erreichbarkeit der Innenstadt und das günstige Parken in unter anderem drei großen Parkhäusern spielten insgesamt eine große Rolle.
Henri Gallbronner
Kultur in Biberach

Auch kulturell bietet Biberach Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Besuchenden der Stadt einiges: „Wir haben mehrere gute Player, die hier aktiv sind“, sagt Oberbürgermeister Norbert Zeidler. Das Biberacher Schützenfest zieht seit jeher auch von weiter her viele Menschen an. Auch die Biberacher Filmfestspiele haben sich längst in der Kulturlandschaft etabliert.
Das FreeFlow Festival, ein Musikfestival mit Fokus auf Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, gehört zu den jüngeren Angeboten in der Biberacher Kulturlandschaft: Es findet 2025 zum sechsten Mal statt und wartet mit vier Bühnen auf.
Gemeinsam stark für eine lebendige City
Biberach Die Werbegemeinschaft Biberach belebt die Innenstadt und fördert den Handel. Trotz Herausforderungen bleibt das Ziel klar: Eine attraktive und einladende Stadt für alle.

Auch eine Mittelstadt wie Biberach kann eine lebendige Innenstadt haben: Das zu zeigen und vor allem weiter zu fördern ist Aufgabe und Ziel der Werbegemeinschaft Biberach. Über 100 Unternehmen sind Mitglied, wie Vorsitzende Stefanie Stedtnitz erklärt: „In erster Linie sind es Einzelhändler“, sagt sie. Aber auch Gastronomie- und Handwerksbetriebe sowie Marktbeschicker sind mit an Bord.
Das Miteinander in Biberach sei ein gutes: Stadtmarketing, Werbegemeinschaft und auch der bibercard-Verein zögen alle an einem Strang - natürlich jeder mit seinem eigenen Standpunkt. Der Fokus der Werbegemeinschaft liegt unter anderem darauf, die Leute in die Stadt zu bringen. Dafür startet die Werbegemeinschaft jährlich verschiedene Aktionen, etwa den verkaufsoffenen Sonntag, lange Einkaufsnächte mit vielen Attraktionen, wie die beleuchteten Hausfassaden oder den Schnäppchenmarkt - „mit dem Ziel, die Kaufkraft in der Stadt zu binden und die Stadt so attraktiv wie möglich zu gestalten“, erklärt Stedtnitz. Auch beim von der Stadt organisierten Weihnachtsmarkt ist die Werbegemeinschaft mit an Bord.
Bei der jüngst erfolgten Umgestaltung des Marktplatzes sei man ebenfalls gut eingebunden worden, sagt Stedtnitz, die selbst ein Geschäft am Marktplatz betreibt: „Wir sind auch froh, dass wir so einen florierenden Wochenmarkt haben.“ Durch Sitzgruppen habe man die Aufenthaltsqualität deutlich steigern können.
„Wenn man sich in einer Stadt wohlfühlt, lädt das ein, zu bummeln.“ Ziel sei es immer, dass sich Kunden über den Einkauf hinaus in der Innenstadt aufhalten. Davon profitiere jeder von der kleinen Eisdiele über das Restaurant bis hin zum Einzelhändler.
Natürlich sei aber auch in Biberach nicht alles eitel Sonnenschein:„Wir haben die gleichen Probleme wie alle anderen Städte auch.“ Das Stadtmarketing betreibe zwar ein gutes Leerstandsmanagement und sorge mit bunten Folien an den Schaufenstern auch dafür, dass die vorhandenen leeren Läden zumindest einigermaßen attraktiv aussehen -„eine ganz tolle Sache“. Trotzdem gibt es Leerstände in der Innenstadt.
„Man macht es uns momentan ja auch nicht wirklich leicht“, sagt Stedtnitz. Der Mut, sich im Einzelhandel selbstständig zu machen, habe nachgelassen: „Irgendwo stecken sicherlich gute Ideen in der Schublade.“ Unter den leerstehenden Geschäften in Biberach sind viele kleine Läden - eigentlich optimal für Gründer, meint Stedtnitz, nimmt aber auch die Gebäudeeigentümer in die Pflicht: „Wir haben in Biberach unglaublich hohe Mieten.“
Inwiefern sich die aktuelle wirtschaftliche Gesamtlage bei den Geschäften vor Ort bemerkbar mache, sei branchenabhängig. Klar sei: „Wir leben in einer Rezession.“ In der Region gebe es aber„glücklicherweise“ noch eine relativ hohe Kaufkraft. „Ich glaube, viele Händler leben auch noch von der Stammkundschaft.“ Die Konkurrenz durch den Online-Handel ist natürlich ebenfalls ein wichtiges Thema. Einige Geschäfte aus Biberach seien auch sowohl online als auch vor Ort präsent. Aufgabe der Werbegemeinschaft sei es, die Stadt als Ganzes „so darzustellen, dass sich der Kunde einfach wohlfühlt“. Das Gesamtpaket muss insgesamt also stimmen.
Henri Gallbronner
Kommende Aktionen:
Im Frühjahr stehen mehrere Aktionen der Werbegemeinschaft in Biberach an: Am Freitag, 22. März, findet die erste von zwei langen Einkaufsnächten in diesem Jahr statt. Bis 23 Uhr können Kunden durch die besonders beleuchtete Innenstadt bummeln. Am Samstag, 4. Mai, lädt die Werbegemeinschaft zum Musikfrühling. Über 60 Musik- und Tanzgruppen treten an 15 Standorten auf.