Argenbühl, ein kleines Dorf im malerischen Allgäu, ist Standort eines Start-ups mit einem außergewöhnlichen Designobjekt. In der zur Werkstatt umgebauten Garage wird entworfen, gefertigt und versandt. Andreas Zorell, der zusammen mit seinem Vater Bag2Roots gegründet hat, ist zuversichtlich was die weitere Entwicklung betrifft. „Bei Birkenstock dauerte es Jahrzehnte, bis die einfachen Holzpantinen diesen Kultstatus hatten. Wir arbeiten noch daran, zum Kultobjekt zu werden“. Bag2 Roots, ein Name, der sowohl die Tasche mit den zwei natürlichen Materialien Holz und Leder bezeichnet, als auch den Weg zurück zur ursprünglichen Einfachheit funktionalen Designs.

Ihr Unternehmen hat nicht nur ein originelles Produkt, sondern eine dazugehörende Geschichte. Authentisch und nicht aus dem Content-Repertoire einer Werbeagentur. Es ist die Geschichte einer ganz besonderen Verbindung: einer Liebeserklärung an das Handwerk und der pragmatischen Überlegung, etwas Individuelles nach eigenen Vorstellungen und Ansprüchen selbst herzustellen. Das Resultat: eine kompakte Tasche für Dinge, die man immer dabei hat - Smartphone, Schlüssel, Geldbörse, Brille. War der vergebliche Versuch vom Senior Zorell, etwas für ihn Passendes in den entsprechenden Geschäften im nahegelegenen Wangen oder in Ravensburg zu bekommen. Als Schreiner im Ruhestand dauerte es nicht lange bis zu dem Entschluss, sich seine Tasche selbst zu schreinern. Das war der Beginn von Bag2Roots. Vom Prototyp bis zu einem Produkt, das Designliebhaber und Individualisten gleichermaßen begeistert, war es ein längerer Entwicklungsprozess aus Ausprobieren und Austausch, Erfahrungen und Erlebnissen.
Die „Urtasche“ war noch ein rustikales Einzelstück, aus Holz und Leder gefertigt, kantig und unnachgiebig. Doch sein Sohn, Andreas Zorell, erkannte das Potential, daraus ein Designobjekt zu entwickeln. Es sollte Vorausgegangen ein technisch anmutendes Produkt werden, das nicht nur traditionelle Handwerkskunst widerspiegelt, sondern auch Individualität und den Luxus des Einfachen ausdrückt.„Als erstes haben wir die Spaxschrauben, die mein Vater verwendet hatte, durch eine ästhetisch ansprechendere Lösung mit Loxx-Druckknöpfen ersetzt. Sie verbinden die hölzernen Seitenteile, den Lederkorpus der Tasche, die Lederlasche und den Tragriemen.“ Eine genial minimalistische Lösung, die auch noch gut aussieht. „Anstatt das Leder zu schneiden, wie es mein Vater anfangs noch gemacht hat, wird es inzwischen gestanzt. Das, und die Kantenbearbeitung, übernehme ich neben meiner Haupttätigkeit als Global Account Executive bei einem amerikanischen Softwareanbieter. Inzwischen beziehen wir unser Leder von zwei familiengeführten Gerbereien in Metzingen und Tuttlingen.“
Hat das Zeug zum Kult
Andreas Zorell schätzt diesen Austausch von Erfahrungen. Durch seine kommunikative Art knüpft er auf privaten und geschäftlichen Reisen immer wieder wertvolle Kontakte, die Bag2 Roots wieder ein Stück weiterbringen. Aus der Türkei brachte er uraltes Olivenholz mit, er hat Kontakt zu einem kleinen Betrieb, der Porsche Oldtimer restauriert und anstelle von Holz und Leder Carbon verarbeitet. „Aber das ist ein Extramodell, das ich Porsche Design angeboten habe. Leider ohne Erfolg. Auch eine Tasche in den individuellen Farben der Porsche-Sitzpolster und -Außenlackierung hätte ich mir gut vorstellen können“. Mit einem Pariser Schuhdesigner, der seine Modelle in Patinatechnik individuell bemalt, entwickelte Zorell die Signature Edition, zu der inzwischen weitere Künstler und Designer ihre Ideen beitragen. Die Vorstellung von einer Tasche aus Holz wirft natürlich die Fragen auf: Ist die nicht schwer? Und hart und unbequem? Die Antwort lautet ganz klar: Nein.
Gründer von Bag2Roots
Das Holz ist erstaunlich leicht, das Leder mal mehr mal weniger fest, und das Zusammenspiel beider Materialien sorgt für eine perfekte Balance aus Stabilität und Flexibilität. Zwei Seitenteile, die von Leder umhüllt werden, machen die Tasche nicht nur leichter, sondern auch edler. Unterschiedliches Holz, verschiedene Lederarten, mit Fell bezogen und eingefärbt, bemalt oder einfarbig, in drei Größen und zwei Formaten - trotz dieser Vielfalt ist jede Tasche ein Unikat, das auch nach Wunsch des Kunden konfiguriert wird. „Doch trotz ihrer Qualität und Einzigartigkeit fehlt uns der konstante Abnehmer, der die Tasche nicht nur liebt, sondern sie auch bekannt macht. Sie muss für die Besitzerin, den Besitzer zu einem Lieblingsstück werden, das man stolz trägt und weiterempfiehlt - ein Must-have, das sich zu einem Kultobjekt entwickeln kann, so wie einst die Birkenstocks die Welt eroberten“, so Andreas Zorell. Fest steht: Wer die Tasche mal in der Hand hatte spürt, dass sie viel mehr ist als nur ein Accessoire. Für seinen Vater ist es ein Stück Heimat, ein Stück Individualität, das in jeder Tasche steckt. „Wenn der richtige Abnehmer kommt“, sagt er„wird es eine Kulttasche mit entsprechendem Erfolg. Eine größere Produktion wäre dann durchaus möglich“, verweist Andreas Zorell auf seine Kontakte zum Familienbetrieb Devich, dem Hersteller angesagter Holzschuhe in Vorarlberg. Für den Senior ist das weniger wichtig. Mit dem Satz„für mich ist die Tasche eh etwas Besonderes“ wendet er sich wieder den Zirbenholzmöbeln zu, an denen er gerade arbeitet.
Sigrid Balke
Heimatverbunden und individuell

„Bag2Roots“,zu Deutsch „Zurück zu den Wurzeln“, kommt nicht von ungefähr. Der Name des Startups steht für die Handwerkskunst, den Erfindergeist Made in Germany“ sowie für die Liebe des Erfinders zum handwerklichen Umgang mit den Naturprodukten Holz und Leder. Auch das funktionale und minimalistische Design mit betont technischer Note zahlt auf den Namen ein.
Jede Holzhandtasche wird in Handarbeit im Allgäu hergestellt. Die verwendeten Materialien sind vielfältig. Bei den Hölzern besteht die Wahl beispielsweise zwischen einheimischen Arten wie Eiche, Kirsche, Apfel, Walnuss, Birne, Mirabelle oder Kastanie - aber auch tropische Edelhölzer, wie das afrikanische Wenge oder das sehr exklusive Teakholz aus Burma, kommen zum Einsatz.