
Nachgefragt Die Donau war für ihn nie eine Grenze. Schon als Präsident der IHK Ulm setzte sich Dr. Peter Kulitz für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum Ulm/Neu-Ulm ein- und damit für ein starkes Miteinander der beiden Städte.
Herr Dr. Kulitz, wie geht es Ihnen?
Mir geht es gesundheitlich sehr gut und ich hoffe, dass dies noch lange so bleibt. Denn neben meiner Verantwortung als geschäftsführender Gesellschafter bin ich weiterhin sehr gerne in vielen verschiedenen Ehrenämtern aktiv.
Was bewegt Sie am meisten?
Schon seit Jahrzehnten die Politik, obwohl ich in keiner Partei bin. Vor allem beschäftigt mich derzeit das Auseinanderdriften unserer Gesellschaft und man spürt schon viel Frustration auch in den Führungsebenen der Unternehmen. Das Ergebnis sind unerwünschte Wahlergebnisse und eine große Verunsicherung bei den Menschen.
Sie sind seit 1997 geschäftsführender Gesellschafter der ESTA Apparatebau GmbH & Co. KG. Können Sie uns in wenigen Sätzen erklären, was Ihr Unternehmen macht?
Unser Familienunternehmen ruht auf zwei Standbeinen. Da gibt es den Bereich Absaugtechnik mit einem breiten Produktsortiment zur Luftreinhaltung am Arbeitsplatz sowie die Schwimmbadtechnik mit einem rasant ansteigenden Online-Handel im Bereich Pools & Wellness.
Welches Thema beschäftigt Sie beruflich derzeit am meisten?
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen, die sich deutlich verschlechtert haben. Ein Beispiel hierfür ist die Konzeptlosigkeit beim Bürokratieabbau, die uns stark behindert und enorm Zeit und Kräfte bindet. Die Frage stellt sich schon, wie wir unsere hiesigen Standorte wettbewerbsfähig halten können, so dass wir nicht gezwungen sind die Produktionen ins Ausland zu verlagern. Gerade die Abwanderung bei neuen Investitionen im Bereich Maschinenbau ist dramatisch.
Was kommt Ihnen beim Blick zurück auf ihr bisheriges Berufsleben als erstes in den Sinn?
Das hängt ganz davon ab, welchen Hut ich gerade aufhabe - als Rechtsanwalt, Unternehmer und nicht zuletzt Aufsichtsrat in einer Reihe von Firmen. Die Vielseitigkeit in den unterschiedlichen Funktionen erfordert eine hohe Flexibilität. Doch das ständige Eintauchen in verschiedene Welten ist faszinierend und ich gebe sehr gerne meine langjährigen Erfahrungen weiter. Der Lohn für diese breite Palette an Aufgaben sind die Begegnungen mit Menschen. Meine Botschaft an die junge Generation lautet immer: Ihr müsst nach rechts und links blicken und herausfinden, wo eure Interessen liegen. Wenn man für etwas brennt, dann ist man darin auch gut.
Welches Thema haben Sie in den vergangenen Jahren unterschätzt?
Ganz klar die Bedeutung politischer Entscheidungen auf die Rahmenbedingungen für die Unternehmen. Es ist ein schleichender Prozess mit Auswirkungen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit deutlich beeinträchtigen und dem Wohlergehen der Wirtschaft schaden.
Gibt es berufliche Entscheidungen, die Sie heute kritisch sehen?
Nein, vielleicht in einigen Einzelfällen und Detailfragen. Die Gesamtheit betrachtend würde ich alles wieder so machen.
Was zeichnet für Sie einen guten Unternehmer aus?
Dass man Stärken und Schwächen bei sich und anderen erkennt, vertrauenswürdig ist und Aufgaben innerhalb des Unternehmens delegieren kann.
Wie können wir alle mit etwas mehr Zuversicht in die Zukunft blicken?
Indem wir uns wieder auf das sehr erfolgreiche Modell der sozialen Marktwirtschaft besinnen, die Freiraum für Innovationen und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Betriebe bietet.
Wie kann der Wirtschaftsstandort Ulm/Neu-Ulm weiter gestärkt werden?
Die Weichen sind richtig gestellt. Schon in meiner Antrittsrede als IHK-Präsident habe ich für das Zusammenwachsen über die Landesgrenze hinweg zu einem Wirtschaftsraum plädiert. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die hiesige Einwohner- und Wirtschaftsstruktur in ihrer Vielseitigkeit mit Universität, Wissenschaftsstadt, Kliniken und nun auch dem neuen Nato-Kommando JSEC positiv entwickelt. Ganz entscheidend ist der differenzierte Branchenmix mit großen und kleinen Unternehmen. Die IHK hat mit der Gründung der Internationalen Schule einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Attraktivität des Standortes geleistet.
Sie engagieren sich für die politische Bildung ihrer Nachwuchskräfte durch Gesprächsrunden mit Politikern und Amtsträgern aus der Region. Warum?
Wir haben rund 40 Auszubildende und Studierende im Betrieb und daher weiß ich, dass die Jugendlichen den offenen Diskurs suchen. Aus diesem Grund hatten wir im Vorfeld der Europawahl das Format des Polit-Talks mit Kandidatinnen und Kandidaten aus der Region entwickelt. Mir ist dieser Austausch sehr wichtig, denn wir Unternehmen haben eine große soziale Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Es geht schlicht um die Zukunft unserer Jugend.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Man muss jederzeit offen sein für Neues. Die Begegnungen mit Menschen sind für mich persönlich sehr wichtig. Denn entweder kann ich helfen oder von der Erfahrung anderer lernen.
Was ist Ihnen in Ihrer Freizeit „heilig“?
Bei mir verschwimmt oftmals Berufliches mit der Freizeit. Auch eine anregende Diskussion mit spannenden Menschen kann für mich sehr entspannend sein.
Stefan Loeffler
Dr. Peter Kulitz wurde 1952 in Mindelheim geboren und studierte Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt ist er seit 1997 Geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens ESTA Apparatebau. 2003 wurde er zum Präsidenten der IHK Ulm, 2010 zum Präsidenten des Baden-Württembergischen IHK-Tages gewählt. Bis heute ist er Vorsitzender des DIHK Außenwirtschaftsausschusses in Berlin.
Selbst Waldorfschüler war er im Vorstand der Freien Waldorfschule Ulm e.V. aktiv. Darüber hinaus setzte sich Dr. Peter Kulitz für die Gründung der Internationalen Schule Ulm (ISU) ein.