
Sobald Erdaushub oder Bauschutt eine Baustelle verlässt, gilt das Material als Abfall und muss fachgerecht - was häufig leider auch teuer bedeutet -entsorgt werden.
Nicht nur Deponiegebühren fallen ins Gewicht, sondern auch die Logistikwege dahinter. Und die Frage, wohin das Material überhaupt gebracht werden soll und darf, wird immer schwieriger zu beantworten.
Entsorgung frühzeitig planen
„Die Würfel fallen in der Planung“, stellt Rainer Mang, Geschäftsführer Abteilung Wirtschafts- und Baurecht bei Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V., fest. Um Prozesse der sinnvollen Verwertung von Baustoffen kostengünstig umzusetzen, schreibt der Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht der frühen Planungsphase eine bedeutende Rolle zu.
Die Auftraggeberseite müsse angehalten werden, bereits bei Planungsbeginn zu klären, was mit Aushub und Bauschutt geschehen soll. Mit der Einführung der Ersatzbaustoffverordnung in 2023 und dem Deponierverbot in 2024 bestehen konkrete und teilweise komplexe Regularien für die Wiederverwertung bzw. Entsorgung von Boden und mineralischen Bauabfällen. Die Einhaltung dieser Vorschriften könne nicht in der alleinigen Verantwortung des beauftragten Bauunternehmens liegen. „Kreislaufwirtschaft impliziert das Miteinander aller am Bau Beteiligter“, ist Rainer Mang überzeugt. Eine kluge Planung liegt dabei ganz im Interesse der Auftraggebenden, machen die Entsorgungskosten doch einen erheblichen Anteil der Gesamtbaukosten aus.

Die Regelwerke sehen vor, dass Erdaushub nur noch in Ausnahmefällen deponiert werden soll. In erster Linie soll er anderen geeigneten Baumaßnahmen, wie beispielsweise dem Aufschütten eines Lärmschutzwalls, zugeführt werden. Solche Maßnahmen sind rar und in der Regel nicht kurzfristig und in direkter Nähe zu finden.
Zudem muss der Boden die passenden Eigenschaften aufweisen können und die Bodenschutzbehörde muss dem Einbau zustimmen. Für die alternative Verfüllung in Kiesgruben und Steinbrüchen muss der Erdaushub oft kilometerweit transportiert werden. Man spricht von Abfalltourismus - was nicht im Sinne des Umweltschutzes sein kann. Durch frühzeitige Planung lassen sich hier allerdings machbare und bezahlbare Lösungen finden. So kann zum Beispiel die Bodenqualität frühzeitig bestimmt oder passende Projekte für den Wiedereinsatz von Erdaushub recherchiert werden.
Recycling-Baustoffe: Unbeliebt oder selten
Aus dem Bestand abgebaute Baustoffe können recycelt und neuen Bauprojekten wieder zur Verfügung gestellt werden. Hierfür gibt es auch genügend Anbieter, doch leider zu wenig Abnehmer. „Hier geht der Mythos des Schrottmaterials noch um“, beklagt sich Rainer Mang. Trotz des eingeführten Qualitätssicherungssystems Recycelter-Baustoffe (QRB) haftet dem Material das Vorurteil der Minderwertigkeit an. Öffentliche Auftraggeber, die Recycling-Baustoffe für den Straßenbau einsetzen könnten, lehnen den Einbau aus diesem Grund häufig ab. „Auch der oft gehörte Begriff des Downcyclings ist in der Diskussion nicht förderlich“, so Mang weiter. In der Rechtssprache käme dieser Begriff gar nicht vor. Es werde in jedem Fall ein Recycling durchgeführt und diese Maßnahme solle auch wertgeschätzt werden.
Anwalt für Bau- und Architektenrecht
Im Fall von R-Beton (ressourcenschonender Beton), bei dem ein Teil der mineralischen Zuschlagsstoffe aus recycelten Rohstoffen besteht, kommt erschwerend hinzu, dass es derzeit noch zu wenig Anbieter gibt. Das führt zu einem Logistikproblem. Doch erste Leuchtturmprojekte zeigen, dass es möglich ist. So wurde beim Bau des Technischen Rathauses Tübingen konsequent R-Beton eingesetzt. „Alle Akteure müssen sich vernetzen, um das geforderte Ziel der CO₂-Reduzierung im Bauwesen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu erreichen. Das schafft keiner allein“, stellt Rainer Mang fest. Die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft sei noch ein steiniger Weg, doch man müsse dranbleiben. Denn: wo ein Wille, da ist auch ein Weg!
Tanja Weise

Rainer Mang ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht und Geschäftsführer der Abteilung Wirtschafts- und Baurecht des Vereins Bauwirtschaft Baden-Württemberg e.V.