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Wege in die Zukunft

Immobilien Etwa 20 Jahre versprachen Gewerbeimmobilien satte Umsätze. Doch die aktuelle Lage trübt die Prognosen. Professor Ulrich Nack kennt als Fachmann der Branche den Weg aus der Krise.

FOTO: CHERDCHAI/ADOBESTOCK.COM
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Die boomende Wirtschaft und die günstigen Zinsen der vergangenen Jahre verschafften der Immobilienbranche einen stetigen Aufwind. Unter anderem investierten finanzkräftige Unternehmen aus Nordamerika oder Asien in deutsche Immobilien. Der steigenden Nachfrage folgten steigende Preise. Rund die Hälfte der Gewerbeobjekte befinden sich in Investorenhand, wie Ulrich Nack, Professor für Immobilienmanagement an der EBZ Business School in Bochum, sagt.

Gewerbeimmobilien sind Spätindikatoren

Seit dem Anstieg der Zinsen macht jedoch die Wirtschaftsflaute den Investoren zu schaffen. Gestiegene Rohstoff- und Energiepreise und der zunehmende Fachkräftemangel trüben die Bilanzen ein: „Der Markt für Gewerbeimmobilien ist ein Spätindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Gehen die Geschäfte gut, expandieren Firmen, weil sie mehr Platz für Mitarbeiter oder neue Maschinen brauchen - gehen die Umsätze zurück, müssen Räume wieder eingespart werden“, erklärt Nack. Das stellt die Eigentümer von Gewerbeimmobilien vor die Herausforderung, flexibel auf die aktuellen Bedürfnisse des Marktes einzugehen. 

„Gehen die Umsätze zurück, müssen Räume wieder eingespart werden.“
Prof. Dr. Ulrich Nack,
Immobilienfachmann

Flexibilität zu mehr Mischnutzungen, in der Büro-, Einzelhandels- und Wohnflächen in einem Gebäude kombiniert werden sowie eine gut funktionierende digitale Infrastruktur und ökologische Nachhaltigkeit wird gefordert. Immobilienspezialist Nack erklärt dazu: „Für diese Investitionen und Nachinvestitionen müssen Besitzer nun tief in die Tasche greifen, während die Mieteinnahmen immer weniger die Kosten decken, während die Hoffnung der Anleger auf einen rentablen Verkauf des Objektes beruhen.“

Dem Abwärtstrend folgt der Aufschwung

Ein gutes Beispiel für flexible Immobiliennutzung sind die Ulmer Sedelhöfe. Foto: Volkmar Könneke
Ein gutes Beispiel für flexible Immobiliennutzung sind die Ulmer Sedelhöfe. Foto: Volkmar Könneke

Derweil setzen immer mehr Unternehmen auf umweltfreundliche Büros und Logistikflächen, um ihre ökologische Bilanz zu verbessern. Zertifizierte Objekte sind immer häufiger entscheidende Faktoren bei der Auswahl von Gewerbeimmobilien. Laut dem Certification and Sustainability Radar (Cesar) ist die „Green-Building-Quote“ innerhalb eines Jahres um eineinhalb Prozent gestiegen. Bauträger dürfen sich derweil bei der energetischen Sanierung über Förderungen freuen. Die KfW gewährt einen Kreditbetrag für hocheffiziente Gebäude von bis zu 100 Millionen Euro,

Auch wenn die wirtschaftliche Talsohle noch nicht durchschritten ist, sei dies kein Grund zu resignieren, sagt der Immobilienexperte: „Der Wirtschaftszyklus bewegt sich nach einem Abwärtstrend auch wieder nach oben.“ Die Fähigkeit, sich anzupassen, ohne den entstandenen Verlusten nachzutrauern oder sich ausschließlich auf die Hilfe des Staates zu verlassen, sei die Möglichkeit, aus der Krise heraus in die Zukunft zu finden. Nack bringt es auf den Punkt: „Wir brauchen wieder eine motivierte Mentalität. Anpacken statt jammern, nach dem Vorbild der mutigen Nachkriegsgeneration, die unter schlechteren Voraussetzungen das Fundament für das Wirtschaftswunder gelegt hat.“
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